Veröffentlicht am Mai 12, 2024

Produktionsstopps sind kein Material-, sondern ein Datenproblem. Die Lösung ist ein zentrales ERP-System, das als digitales Nervensystem für Ihr Unternehmen agiert und vollständige Prozess-Transparenz schafft.

  • Excel-Listen und isolierte Software (Daten-Silos) verhindern eine vorausschauende Planung und erzwingen reaktive „Feuerwehreinsätze“.
  • Moderne Cloud-ERP-Systeme integrieren Einkauf, Lager, Produktion und Personalplanung in Echtzeit und machen Engpässe sichtbar, bevor sie entstehen.

Empfehlung: Ersetzen Sie Ihre fragmentierten Insellösungen durch ein integriertes ERP-System, um von reaktiver Fehlerbehebung zu proaktiver Steuerung zu gelangen und die Lieferfähigkeit dauerhaft zu sichern.

Der Moment ist jedem Produktionsplaner und Einkäufer vertraut: Die Fertigungslinie steht, eine wichtige Maschine ist im Leerlauf und der Grund ist so banal wie fatal – ein kritisches Bauteil fehlt. Sofort beginnt die hektische Suche, Anrufe bei Lieferanten, das Durchforsten von Excel-Listen. Diese reaktive Feuerbekämpfung ist nicht nur teuer, sondern auch ein klares Symptom für ein tieferliegendes Problem. Viele Unternehmen versuchen, dieses Problem mit noch detaillierteren Tabellen oder häufigeren Meetings zu lösen, ohne die eigentliche Ursache zu erkennen.

Die gängigen Ratschläge zielen oft auf eine Optimierung des Status quo ab. Doch was, wenn die grundlegende Methode selbst das Hindernis ist? Die Abhängigkeit von isolierten Systemen und manuellen Listen – den sogenannten Daten-Silos – schafft blinde Flecken in der gesamten Wertschöpfungskette. Die wahre Ursache für fehlende Teile ist selten ein Versäumnis im Einkauf, sondern meistens eine fehlende, durchgängige Sicht auf den gesamten Prozess. Es mangelt an echter Prozess-Transparenz.

Die entscheidende Frage ist also nicht: „Wie verwalten wir unsere Teilelisten besser?“, sondern: „Wie schaffen wir ein digitales Nervensystem, das Informationen aus Einkauf, Lager, Produktion und Personalplanung in Echtzeit zu einem einzigen, handlungsfähigen Gesamtbild verbindet?“ Ein modernes Enterprise-Resource-Planning (ERP)-System ist die Antwort auf diese Frage. Es geht nicht darum, ein weiteres Werkzeug hinzuzufügen, sondern das Fundament der Planung neu zu definieren.

Dieser Artikel führt Sie als ERP-Berater durch die strategischen Überlegungen, die für den Aufbau eines solchen Systems notwendig sind. Wir analysieren, wie Sie die richtige Software auswählen, Ihre Prozesse transparent machen und typische Fallstricke wie versteckte Kosten oder Implementierungsrisiken vermeiden. Ziel ist es, Ihnen einen klaren Fahrplan an die Hand zu geben, um Produktionsstopps systematisch zu eliminieren.

SAP oder Nischenlösung: Was passt zu einem 200-Mann-Betrieb?

Die Wahl des ERP-Systems ist eine strategische Weichenstellung. Für mittelständische Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern stellt sich oft die Grundsatzfrage: Setzt man auf den Marktführer SAP oder auf eine spezialisierte Nischenlösung eines deutschen Anbieters? Die Antwort ist nicht pauschal, sondern hängt von den spezifischen Prozessen und der Wachstumsstrategie ab. SAP gilt oft als der Goldstandard, was sich auch in Zahlen widerspiegelt. Eine aktuelle Studie zeigt, dass in der Klasse der größeren Mittelständler (500-999 Mitarbeiter) bereits 81% der Firmen auf SAP S/4HANA setzen. Dieser Trend deutet auf die enorme Skalierbarkeit und den Funktionsumfang hin, den SAP bietet.

Allerdings bedeutet „Standard“ nicht immer „optimal“. Nischenanbieter punkten oft mit tieferer Branchenexpertise, schnellerer Implementierung und direkterem, lokalem Support. Ihre Systeme sind von vornherein auf die spezifischen Bedürfnisse einer Branche, z.B. Maschinenbau oder Medizintechnik, zugeschnitten. Dies kann die Anpassungskosten und die Einführungszeit erheblich reduzieren. SAP hat diesen Bedarf erkannt und bietet mit Paketen wie „GROW with SAP“ vorkonfigurierte Cloud-Lösungen an, die speziell auf den Mittelstand zugeschnitten sind. Diese Pakete sollen einen kosteneffizienten Einstieg in die S/4HANA-Welt ermöglichen und umfassen neben dem Kern-ERP auch die Business Technology Platform (BTP) für Erweiterungen.

Die folgende Tabelle fasst die wesentlichen Unterschiede zusammen, um eine erste Orientierung zu geben:

Vergleich: SAP S/4HANA vs. Deutsche Nischenanbieter für den Mittelstand
Kriterium SAP S/4HANA Deutsche Nischenanbieter
Initialkosten Hoch Mittel
Branchenexpertise Generalistisch Spezialisiert
Skalierbarkeit Sehr hoch Begrenzt
Lokaler Support Über Partner Direkt
Implementierungszeit 12-18 Monate 6-9 Monate

Letztendlich muss die Entscheidung auf einer detaillierten Analyse der eigenen Geschäftsprozesse basieren. Ein Unternehmen mit stark standardisierten Abläufen und internationalen Ambitionen profitiert eher von der Skalierbarkeit von SAP. Ein hochspezialisierter Fertiger mit einzigartigen Prozessen findet möglicherweise in einer Nischenlösung die passgenauere und agilere Unterstützung für sein digitales Nervensystem.

Wie Sie Personal und Maschinen so planen, dass keine Leerläufe entstehen

Leerläufe bei Personal und Maschinen sind der sichtbare Ausdruck von Ineffizienz in der Produktionsplanung. Sie sind oft das direkte Ergebnis fehlender Prozess-Transparenz. Wenn die Planung auf veralteten Daten oder Annahmen beruht, entstehen unweigerlich Lücken oder Überlastungen. Eine moderne Ressourcenplanung innerhalb eines integrierten ERP-Systems löst dieses Problem, indem sie Daten aus verschiedenen Quellen in Echtzeit zusammenführt: aktuelle Auftragsdaten, Maschinenzustände (via BDE/MDE-Systeme), Materialverfügbarkeit und Mitarbeiterqualifikationen.

Das Ziel ist eine dynamische Kapazitätsplanung, die nicht nur Aufträge auf Zeitachsen verteilt, sondern auch Abhängigkeiten und Restriktionen berücksichtigt. Ein zentrales Element ist hierbei die digitale Plantafel, die eine visuelle Übersicht über die Auslastung aller Ressourcen bietet. Sie ermöglicht es Planern, Engpässe frühzeitig zu erkennen und per Drag-and-Drop umzuplanen, wobei das System sofort die Auswirkungen auf Liefertermine und andere Aufträge berechnet. So wird aus einer statischen Liste ein interaktives Steuerungsinstrument.

Detailaufnahme einer digitalen Plantafel mit Maschinenauslastung und Personalplanung

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die qualifikationsbasierte Personalplanung. Ein ERP-System kann eine Skills-Matrix hinterlegen, die genau abbildet, welcher Mitarbeiter welche Maschine bedienen oder welche Aufgabe ausführen kann. Bei der Planung schlägt das System dann automatisch verfügbare und qualifizierte Mitarbeiter vor. Dies verhindert nicht nur Stillstand durch fehlendes Personal, sondern optimiert auch den Einsatz der Belegschaft und ermöglicht eine faire Lastenverteilung. Die Kombination aus Maschinen- und Personalplanung in einem System schafft eine robuste und flexible Produktionssteuerung.

Ihr Aktionsplan zur effizienten Ressourcenplanung

  1. Systemgrundlage schaffen: Implementieren Sie ein ERP-System mit einem integrierten APS-Modul (Advanced Planning and Scheduling) für eine echtzeitfähige Kapazitätsplanung.
  2. Echtzeitdaten erfassen: Binden Sie BDE/MDE-Systeme (Betriebs- und Maschinendatenerfassung) an, um reale Leistungs- und Zustandsdaten direkt von der Fertigungslinie zu erhalten.
  3. Personalqualifikationen digitalisieren: Erstellen und pflegen Sie eine detaillierte Skills-Matrix im System, um den Einsatz von qualifizierten Mitarbeitern präzise planen zu können.
  4. Proaktive Warnungen einrichten: Konfigurieren Sie automatische Alerts, die bei drohenden Über- oder Unterlastungen, Materialengpässen oder Terminkonflikten frühzeitig informieren.
  5. Planungsprozesse auditieren: Analysieren und optimieren Sie die Plantafeln und Planungsparameter regelmäßig, um auf Basis der gesammelten Daten die Effizienz kontinuierlich zu verbessern.

Datensicherheit oder Flexibilität: Welches Hosting-Modell ist zukunftssicherer?

Die Entscheidung zwischen einem Cloud-Hosting und einem On-Premise-Betrieb im eigenen Serverraum ist längst keine reine IT-Frage mehr. Sie hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Datensicherheit, Flexibilität und Zukunftsfähigkeit des gesamten Unternehmens. Während On-Premise-Lösungen die volle Kontrolle über die Daten im eigenen Haus versprechen, bietet die Cloud eine unerreichte Flexibilität und Skalierbarkeit. In Deutschland gewinnt diese Debatte durch regulatorische Anforderungen wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) zusätzlich an Brisanz.

Gerade das LkSG fordert von Unternehmen eine lückenlose Transparenz und Dokumentation ihrer Lieferketten, um Menschenrechts- und Umweltstandards sicherzustellen. Seit Januar 2024 gilt das LkSG für Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern, und eine Ausweitung ist absehbar. Die Erfüllung dieser Sorgfaltspflichten ist mit isolierten Systemen kaum zu bewältigen. Cloud-ERP-Systeme sind hier klar im Vorteil: Sie ermöglichen einen einfachen und sicheren Datenaustausch mit Lieferanten und Partnern und schaffen die notwendige, zentrale Datenbasis für ein lückenloses Risikomanagement und Reporting. Die Datensicherheit wird dabei durch zertifizierte Rechenzentren in Deutschland (z. B. nach ISO 27001) gewährleistet, die oft ein höheres Sicherheitsniveau bieten, als es ein mittelständisches Unternehmen selbst aufbauen könnte.

Wie Experten betonen, ist die Cloud der Schlüssel zur geforderten Agilität und Transparenz. Haufe X360, ein Anbieter von Cloud-ERP-Lösungen, formuliert es in einem Beitrag zum LkSG treffend:

Cloud-ERP-Systeme ermöglichen die erforderliche Transparenz über die gesamte Lieferkette, unterstützen das Risikomanagement und erleichtern die Entscheidungsfindung durch Echtzeitdaten.

– Haufe X360, Lieferkettengesetz: Das müssen Unternehmen jetzt wissen

Die Zukunftssicherheit eines Hosting-Modells bemisst sich also nicht nur an der reinen Datensicherheit, sondern an seiner Fähigkeit, auf neue geschäftliche und regulatorische Anforderungen flexibel zu reagieren. Die Cloud bietet hier die technologische Grundlage, um das digitale Nervensystem des Unternehmens agil und compliant zu halten, während On-Premise-Systeme schnell an ihre starren Grenzen stoßen können.

Warum Ihre Excel-Liste ab 50 Mitarbeitern zum betrieblichen Risiko wird

Für viele wachsende Unternehmen ist Excel das Schweizer Taschenmesser der Betriebsführung – flexibel, bekannt und anfangs ausreichend. Doch es gibt einen Punkt, an dem diese Flexibilität in ein handfestes betriebliches Risiko umschlägt. Spätestens ab einer Größe von etwa 50 Mitarbeitern wird die Produktionsplanung per Excel-Liste von einem nützlichen Werkzeug zu einer tickenden Zeitbombe. Der Grund liegt in der Natur von Excel: Es ist ein hervorragendes Kalkulationsprogramm, aber eine katastrophale Datenbank für kollaborative, zeitkritische Prozesse.

Das Kernproblem sind die entstehenden Daten-Silos. Jeder Bereich – Einkauf, Produktion, Vertrieb – pflegt oft seine eigene Version der Wahrheit. Daten werden manuell kopiert, per E-Mail versendet und zusammengeführt. Dieser Prozess ist nicht nur extrem zeitaufwendig, sondern auch eine immense Fehlerquelle. Ein Tippfehler in einer Bedarfsliste, eine veraltete Version einer Datei – und schon wird falsches Material bestellt oder ein Auftrag mit falschen Parametern gefertigt. Das Resultat ist die gefürchtete „Zettelwirtschaft“, die in der Praxis immer noch weit verbreitet ist, wie ein Erfahrungsbericht treffend beschreibt:

Viele Unternehmen organisieren ihre Produktion noch immer mit Laufkarten und Lohnscheinen: Zettel aus Papier mit Informationen über Werkstücke, Prozessstatus und Arbeitszeiten. In der modernen Fertigung ist diese zettelbasierte Organisation zu unflexibel. Bei Änderungen im Ablauf muss die Verwaltung Fertigungsaufträge umverteilen und neue Zettel ausdrucken.

– Applus ERP

Diese fehlende Echtzeit-Transparenz macht eine proaktive Steuerung unmöglich. Stattdessen dominiert reaktive Feuerbekämpfung den Alltag. Die Risiken, die aus dieser Arbeitsweise erwachsen, sind vielfältig und gravierend:

  • Schlüsselpersonenrisiko: Oft gibt es nur eine oder zwei Personen, die die komplexen Excel-Strukturen vollständig verstehen. Fällt diese Person aus, steht die Planung still.
  • Haftungsrisiko: Fehler in manuell geführten Bedarfs- oder Stücklisten können zu fehlerhaften Produkten führen, was im schlimmsten Fall teure Produkthaftungsansprüche nach sich zieht.
  • Fehlende Transparenz: Niemand hat einen verlässlichen Echtzeit-Überblick über den tatsächlichen Produktionsstatus, die Lagerbestände oder die Maschinenauslastung.
  • Skalierungsproblem: Das System wächst nicht mit dem Unternehmen. Jeder neue Mitarbeiter, jede neue Maschine oder jedes neue Produkt erhöht die Komplexität exponentiell und macht das System instabiler.

Die Ablösung von Excel durch ein integriertes ERP-System ist daher kein Luxus, sondern ein notwendiger Schritt zur Risikominimierung und zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Es schafft eine „Single Source of Truth“ und bildet die Grundlage für ein robustes digitales Nervensystem.

Wann sollten Sie ein neues ERP-System einführen, um das Weihnachtsgeschäft nicht zu gefährden?

Die Einführung eines neuen ERP-Systems ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Sie ist ein tiefgreifendes Veränderungsprojekt, das alle Unternehmensbereiche betrifft. Die Wahl des richtigen Zeitpunkts für den Go-Live ist daher von entscheidender strategischer Bedeutung, um das operative Geschäft nicht zu gefährden. Insbesondere für Unternehmen mit starkem Saisongeschäft, wie dem Weihnachtsgeschäft, kann ein schlecht geplanter Start katastrophale Folgen haben: Lieferverzögerungen, falsche Bestände und unzufriedene Kunden.

Makroaufnahme von Zahnrädern die ineinandergreifen als Symbol für verzahnte Prozesse

Die Faustregel für die Zeitplanung lautet: Planen Sie rückwärts von Ihrer wichtigsten Saison. Eine typische ERP-Implementierung im Mittelstand dauert zwischen 6 und 18 Monaten. Um das Weihnachtsgeschäft nicht zu gefährden, sollte der Go-Live spätestens im Spätsommer (August/September) erfolgen. Dies gibt dem Team genügend Zeit, sich vor Beginn der heißen Phase im Oktober mit dem neuen System vertraut zu machen und eventuelle Kinderkrankheiten zu beheben. Der Projektstart müsste demnach bereits im Frühjahr des Vorjahres liegen.

Eine erfolgreiche ERP-Einführung ist vor allem eine Frage der strategischen Vorbereitung und nicht nur der technischen Umsetzung. Es geht darum, das Projekt fest in der Unternehmensstrategie zu verankern. Eine aktuelle Studie zur S/4HANA-Migration unterstreicht dies: Bei den erfolgreichsten Projekten gleichen 62% der Unternehmensleiter die Einsatzziele des ERP-Systems eng mit der übergeordneten IT-Strategie ab. Das bedeutet: Definieren Sie zuerst, welche Prozesse verbessert und welche Geschäftsziele erreicht werden sollen, bevor Sie die Software auswählen.

Die kritischste Phase ist nicht die technische Installation, sondern die Datenmigration, die Schulung der Mitarbeiter und die Anpassung der Geschäftsprozesse. Ein häufiger Fehler ist, diese „weichen“ Faktoren zu unterschätzen. Planen Sie daher ausreichend Pufferzeiten für Tests, Schulungen und eine Phase des Parallelbetriebs ein, in der das alte und neue System nebeneinanderlaufen. Nur so stellen Sie sicher, dass Ihr neues digitales Nervensystem zum Start der wichtigsten Saison zuverlässig funktioniert und nicht selbst zum Engpass wird.

Wie visualisieren Sie die tatsächlichen (ineffizienten) Laufwege Ihrer Prozesse?

Eines der größten Hindernisse auf dem Weg zur Prozessoptimierung ist die Diskrepanz zwischen dem angenommenen und dem tatsächlichen Prozessablauf. Auf dem Papier oder im Organigramm mag ein Prozess linear und effizient aussehen. Die Realität in der Fertigung oder im Büro ist jedoch oft von unerkannten Schleifen, Umwegen und Engpässen geprägt. Um Produktionsstopps wirklich zu verhindern, müssen diese realen, ineffizienten Laufwege sichtbar gemacht werden. Nur was man sieht, kann man auch verbessern.

Traditionell wird hierfür die Methode der Wertstromanalyse (Value Stream Mapping) eingesetzt. Dabei werden Prozesse vor Ort („Gemba Walks“) beobachtet und manuell auf Karten visualisiert, um nicht-wertschöpfende Aktivitäten (Verschwendung) zu identifizieren. Diese Methode ist wertvoll, aber zeitaufwendig und liefert nur eine Momentaufnahme. Die moderne, datengetriebene Antwort auf diese Herausforderung ist das Process Mining. Diese Technologie nutzt die digitalen Spuren, die in den Log-Dateien eines ERP-Systems ohnehin anfallen, um den tatsächlichen Prozessfluss automatisch zu rekonstruieren und zu visualisieren. Sie zeigt objektiv auf, wo Aufträge stecken bleiben, wo Nacharbeiten stattfinden und welche Prozessvarianten am häufigsten auftreten.

In Deutschland setzen immer mehr Unternehmen auf diese Technologie, um verborgene Ineffizienzen aufzudecken. Laut einer KPS-Studie zu HANA nutzen bereits über 26% der befragten Unternehmen Process-Mining-Tools von Drittanbietern wie Celonis (einem deutschen Unicorn). Diese Werkzeuge agieren wie ein Röntgengerät für die Unternehmensprozesse und schaffen eine unbestechliche Prozess-Transparenz. Sie sind der diagnostische Arm des digitalen Nervensystems.

Neben diesen High-Tech-Ansätzen gibt es auch pragmatische Methoden, die sofort umgesetzt werden können, um die Sichtbarkeit zu erhöhen:

  • Shopfloor-Visualisierung: Andon-Boards in der Fertigungshalle zeigen den Status von Maschinen in Echtzeit (z.B. grün für „in Betrieb“, rot für „Störung“) und machen Probleme sofort für alle sichtbar.
  • Echtzeit-Dashboards: Moderne ERP-Systeme ermöglichen die Erstellung von individuellen Dashboards, die Kennzahlen wie Auftragsdurchlaufzeiten, Ausschussquoten oder Liefertreue live visualisieren.
  • Regelmäßige Gemba-Walks: Auch im digitalen Zeitalter bleibt die direkte Beobachtung der Prozesse vor Ort unerlässlich, um den Kontext hinter den Daten zu verstehen.

Die Kombination aus datenbasierter Analyse und direkter Beobachtung liefert das umfassendste Bild der Realität und ist die Grundlage für jede nachhaltige Optimierung.

Cloud oder On-Premise: Was lohnt sich für Firmen unter 100 Mitarbeitern?

Für kleinere Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern ist die Entscheidung zwischen Cloud und On-Premise oft eine Kosten- und Ressourcenfrage. Der Betrieb eines eigenen Serverraums (On-Premise) bedeutet hohe Anfangsinvestitionen (CAPEX) in Hardware, Lizenzen und Infrastruktur sowie laufende Kosten für Wartung, Strom und dediziertes IT-Personal. Dies bindet Kapital und personelle Ressourcen, die in kleineren Firmen oft knapp sind. Die Cloud-Lösung dreht dieses Modell um: Statt hoher Einmalkosten fallen planbare, monatliche Nutzungsgebühren an (OPEX), die die Liquidität schonen.

Der Trend im deutschen Mittelstand geht klar in Richtung Cloud. Selbst im anspruchsvollen ERP-Umfeld zeigt sich, dass Software-as-a-Service (SaaS) die bevorzugte Option wird. Eine CIO-Studie zu SAP S/4HANA belegt, dass über 61% der befragten Unternehmen die Public Cloud Edition nutzen. Für kleine Unternehmen sind die Vorteile besonders überzeugend: Sie benötigen kein eigenes IT-Team für die Systemadministration, da Updates, Backups und Sicherheit vom Anbieter übernommen werden. Zudem ist der mobile Zugriff auf das System von jedem Ort aus standardmäßig möglich, was in Zeiten von Homeoffice und flexibler Arbeit ein entscheidender Vorteil ist.

Die Skalierbarkeit ist ein weiterer wesentlicher Pluspunkt der Cloud. Wächst das Unternehmen, können neue Benutzer oder zusätzliche Funktionen einfach per Mausklick hinzugebucht werden. Bei einer On-Premise-Lösung wäre hierfür oft eine teure und zeitaufwendige Aufrüstung der Hardware erforderlich. Die folgende Gegenüberstellung verdeutlicht die zentralen Unterschiede für kleine und mittlere Unternehmen (KMU):

Vergleich: Cloud-ERP vs. On-Premise für KMU unter 100 Mitarbeitern
Aspekt Cloud-ERP On-Premise
Initialinvestition Niedrig (OPEX) Hoch (CAPEX)
IT-Personal benötigt Minimal Dediziertes Team
Skalierbarkeit Flexibel Hardware-limitiert
Updates Automatisch Manuell
Mobiler Zugriff Standard Aufwändig

Für die meisten Unternehmen unter 100 Mitarbeitern ist ein Cloud-ERP-System daher die wirtschaftlichere und zukunftssicherere Wahl. Es senkt die Einstiegshürde in die Welt der professionellen Unternehmenssoftware und bietet die Flexibilität, die für ein dynamisches Wachstum unerlässlich ist. Die Sorge um die Datensicherheit ist bei der Wahl eines seriösen Anbieters mit Rechenzentrum in Deutschland unbegründet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Kernproblem von Produktionsstopps ist nicht Materialmangel, sondern mangelnde Prozess-Transparenz durch isolierte Daten und Systeme.
  • Ein integriertes ERP-System fungiert als „digitales Nervensystem“, das alle relevanten Daten bündelt und eine proaktive Steuerung ermöglicht.
  • Für den deutschen Mittelstand sind Cloud-Lösungen oft flexibler, skalierbarer und aufgrund klarer OPEX-Modelle und der Einhaltung von Gesetzen wie dem LkSG zukunftssicherer.

Ist die Cloud wirklich billiger als der eigene Serverraum?

Die Frage nach den Kosten ist oft der entscheidende Punkt in der Diskussion um Cloud vs. On-Premise. Auf den ersten Blick scheinen die laufenden monatlichen Gebühren für ein Cloud-ERP über die Jahre teurer zu sein als der einmalige Kauf einer On-Premise-Lizenz. Diese Betrachtung ist jedoch zu kurzsichtig, da sie die Total Cost of Ownership (TCO), also die Gesamtbetriebskosten, ignoriert. Bei einer ehrlichen Kalkulation erweist sich die Cloud für die meisten Mittelständler als die kostengünstigere Variante.

Der Hauptgrund liegt in den vielen versteckten Kosten, die ein eigener Serverraum mit sich bringt. Diese gehen weit über die reine Hardware-Anschaffung hinaus. Eine umfassende TCO-Analyse für eine On-Premise-Lösung muss zwingend die folgenden Posten beinhalten:

  • Energiekosten: Server und vor allem deren Kühlung sind enorme Stromfresser, die einen signifikanten Teil der IT-Kosten ausmachen können.
  • Wartung und Hardware-Erneuerung: Server-Hardware muss alle 3-5 Jahre erneuert werden. Hinzu kommen Kosten für Wartungsverträge für Hardware und Software.
  • Personalkosten: Ein oder mehrere Systemadministratoren müssen für den Betrieb, die Wartung, Backups und die Sicherheit des Systems abgestellt und bezahlt werden.
  • Raum- und Infrastrukturkosten: Ein Serverraum benötigt eine spezielle Klimatisierung, Brandschutzvorrichtungen und eine unterbrechungsfreie Stromversorgung.
  • Redundanz und Disaster Recovery: Die Kosten für die Spiegelung von Systemen an einem zweiten Standort, um im Katastrophenfall den Betrieb aufrechtzuerhalten, werden oft vergessen.

In der Cloud sind all diese Kosten bereits in der monatlichen Gebühr enthalten. Hinzu kommt ein entscheidender wirtschaftlicher Vorteil, den der Cloud-Anbieter Myfactory hervorhebt:

In der Cloud wird nur die tatsächlich genutzte Leistung bezahlt. Dies ist ein enormer Vorteil bei saisonalen Schwankungen, wo bei On-Premise ganzjährig teure Spitzenlastkapazitäten vorgehalten werden müssten.

– Myfactory, Produktion planen und steuern mit dem Cloud-ERP

Dieses Pay-per-Use-Modell macht die Kosten flexibel und an den tatsächlichen Bedarf gekoppelt. Während eine Studie zeigt, dass nur rund 34% der Unternehmen primär Kostensenkungen von einer Cloud-Migration erwarten, ist der TCO-Vorteil bei genauer Betrachtung meist signifikant. Die Cloud ist also nicht zwangsläufig, aber in den meisten Fällen bei ehrlicher Rechnung die günstigere Alternative.

Eine transparente Kostenrechnung ist die Basis jeder Investitionsentscheidung, wie die Analyse der Gesamtbetriebskosten verdeutlicht.

Die Beseitigung von Produktionsstopps ist kein einmaliges Projekt, sondern das Ergebnis einer strategischen Neuausrichtung hin zu vollständiger Prozess-Transparenz. Ein modernes ERP-System ist das entscheidende Werkzeug auf diesem Weg. Um die Potenziale für Ihren Betrieb zu analysieren, ist der nächste Schritt eine detaillierte Prozess- und Bedarfsanalyse durch erfahrene Berater.

Geschrieben von Michael Gross, IT-Architekt und Berater für Datensicherheit und Cloud-Systeme. Experte für ERP-Migrationen und die technische Absicherung von Geschäftsprozessen.