
Entgegen der Annahme, dass Währungsabsicherung nur eine Frage des richtigen Finanzinstruments ist, liegt der wahre Schutz Ihrer Marge in einem integrierten Finanzierungs-Ökosystem.
- Proaktives Timing bei Kreditverhandlungen hat einen größeren Einfluss auf Ihre Kosten als die Wahl zwischen Forward und Option.
- Die Abhängigkeit von einer einzigen Hausbank schafft ein höheres Risiko als die Währungsvolatilität selbst.
Empfehlung: Betrachten Sie die Absicherung nicht als isolierte Aufgabe, sondern als Ergebnis einer strategisch geplanten Liquiditäts-, Banken- und Finanzierungsstruktur.
Für exportorientierte deutsche Mittelständler ist die Konfrontation mit Währungsschwankungen eine betriebswirtschaftliche Realität. Die Margen, oft hart erkämpft, können durch unvorhergesehene Bewegungen am Devisenmarkt innerhalb von Tagen erodieren. In einem Umfeld, in dem laut aktuellen Daten des IfM Bonn rund 258.000 kleine und mittlere Unternehmen exportieren, was 96,9 % aller deutschen Exporteure ausmacht, ist dieses Risiko systemrelevant. Viele Unternehmen reagieren auf diese Gefahr, indem sie sich auf die Auswahl von Finanzinstrumenten wie Termingeschäften oder Optionen konzentrieren.
Die gängige Praxis fokussiert sich auf die Frage: „Welches Hedging-Produkt ist das beste?“. Doch dieser Ansatz ist zu kurz gegriffen. Er behandelt das Symptom – die Währungsschwankung – anstatt die Ursache einer fragilen Finanzstruktur. Was wäre, wenn der wirksamste Schutz Ihrer Marge nicht im reaktiven Kauf eines Finanzderivats liegt, sondern in einer proaktiven und ganzheitlichen Gestaltung Ihres gesamten Finanzierungs-Ökosystems? Die wahre Resilienz gegenüber Marktschwankungen entsteht nicht durch isolierte Absicherungsgeschäfte, sondern durch strategische Voraussicht in der Liquiditätsplanung, im Management Ihrer Bankbeziehungen und vor allem im Timing Ihrer Finanzierungsentscheidungen.
Dieser Artikel verlässt den Pfad der reinen Instrumentenberatung. Wir werden aufzeigen, wie die strategische Steuerung von Zins- und Währungsrisiken Hand in Hand geht. Sie werden lernen, warum die Vorbereitung Ihrer nächsten Anschlussfinanzierung bereits heute Ihre Position im Devisenhandel stärkt und wie ein diversifiziertes Bankenportfolio Ihnen mehr Verhandlungsmacht sichert als jede kurzfristige Hedging-Strategie. Es ist an der Zeit, das Währungsrisiko nicht als isoliertes Problem, sondern als integralen Bestandteil Ihrer Unternehmensfinanzierung zu managen.
text
Der folgende Leitfaden bietet Ihnen einen strukturierten Überblick über die zentralen Hebel zur strategischen Steuerung Ihrer Finanzrisiken. Jeder Abschnitt beleuchtet eine kritische Komponente Ihres Finanzierungs-Ökosystems und liefert konkrete Handlungsempfehlungen.
Sommaire : Eine strategische Roadmap zur Margensicherung im Export
- Forward oder Option: Welches Hedging passt zu Ihrem Risikoprofil?
- Wie sichern Sie günstige Zinsen für die Anschlussfinanzierung in 3 Jahren?
- Wie reduzieren Sie Zinskosten durch zentrales Liquiditätsmanagement?
- Warum Sie niemals von nur einer Hausbank abhängig sein dürfen
- Wann sollten Sie Gespräche über Kreditverlängerungen beginnen?
- Wie erstellen Sie eine Liquiditätsvorschau für die nächsten 12 Wochen?
- Rechnung oder Vorkasse: Wie beeinflusst die Zahlungsmethode Ihr Risiko?
- Warum der starke Franken eine Lehre für alle Exporteure ist
Forward oder Option: Welches Hedging passt zu Ihrem Risikoprofil?
Die Entscheidung zwischen einem Devisentermingeschäft (Forward) und einer Devisenoption ist die fundamentalste Weichenstellung im Währungsmanagement. Ein Forward-Geschäft fixiert einen Wechselkurs für eine zukünftige Transaktion. Dies bietet absolute Planungssicherheit, eliminiert aber auch jegliche Chance, von einer positiven Kursentwicklung zu profitieren. Es ist die Strategie der reinen Risikoaversion. Die Devisenoption hingegen gibt Ihnen das Recht, aber nicht die Pflicht, eine Währung zu einem vorab festgelegten Kurs zu kaufen oder zu verkaufen. Diese Flexibilität kostet eine Prämie, erlaubt es Ihnen aber, an günstigen Marktbewegungen zu partizipieren.
Die Wahl hängt nicht davon ab, welches Instrument per se „besser“ ist, sondern welches zu Ihrem Geschäftsmodell und Ihrer Risikotoleranz passt. Die untenstehende Visualisierung verdeutlicht den fundamentalen Unterschied zwischen der starren Struktur eines Forwards und der flexiblen Natur von Optionen.

Wie eine Praxisanalyse deutscher KMU zeigt, gibt es keine Einheitslösung. Ein klassischer Maschinenbauer mit langen Projektzyklen und fest kalkulierten Margen wird eher zum Forward tendieren, um seine Kalkulationsbasis zu zementieren. Ein E-Commerce-Unternehmen mit schnellen Transaktionszyklen und volatilen Einkaufspreisen könnte hingegen die Flexibilität von Optionen bevorzugen, um schnell auf Marktchancen reagieren zu können. Die zentrale Frage ist also nicht „Forward oder Option?“, sondern „Benötige ich absolute Sicherheit oder strategische Flexibilität?“.
Letztlich ist die Auswahl des Instruments nur die Spitze des Eisbergs. Die wahre Steuerung beginnt viel früher, nämlich bei der langfristigen Gestaltung Ihrer Finanzierungsstruktur, die Ihnen überhaupt erst die Wahl zwischen verschiedenen Absicherungsstrategien ermöglicht.
Wie sichern Sie günstige Zinsen für die Anschlussfinanzierung in 3 Jahren?
Ein oft unterschätzter Hebel zur Reduzierung von Finanzrisiken liegt im strategischen Timing von Kreditverhandlungen. Die Konditionen Ihrer nächsten Anschlussfinanzierung werden nicht erst in den Wochen vor Vertragsablauf entschieden, sondern durch Ihre Vorbereitung Jahre im Voraus. Wer zu spät mit seiner Bank spricht, verhandelt unter Druck und akzeptiert oft schlechtere Konditionen – was sich direkt auf Ihre Gesamtkosten und damit auf Ihre Marge auswirkt. Der entscheidende Faktor ist hier die strategische Voraussicht.
Das Prinzip ist einfach: Je mehr Zeit Sie haben, desto stärker ist Ihre Verhandlungsposition. Eine lange Vorlaufzeit ermöglicht es Ihnen, alternative Angebote einzuholen, Ihr Rating durch gezielte Maßnahmen zu verbessern und nicht als Bittsteller, sondern als begehrter Kunde aufzutreten. Banken honorieren diese Planbarkeit mit besseren Zinskonditionen. Ein um 0,2 % p.a. günstigerer Zinssatz kann bei einem Kreditvolumen von mehreren Millionen Euro über die Laufzeit eine erhebliche Entlastung bedeuten – Kapital, das Ihnen für die Absicherung von Währungsrisiken oder für Investitionen zur Verfügung steht.
Ein frühzeitiger Dialog mit potenziellen Finanzierungspartnern signalisiert Professionalität und schafft Vertrauen. Es zeigt, dass Sie Ihr Finanzierungs-Ökosystem aktiv steuern, anstatt nur auf Notwendigkeiten zu reagieren. Dieser proaktive Ansatz ist ein zentrales Element einer resilienten Finanzstrategie und hat direkten Einfluss auf Ihre Fähigkeit, Währungsschwankungen abzufedern. Günstigere Finanzierungskosten schaffen Puffer in Ihrer Marge, die Ihnen im Devisenmanagement mehr Spielraum geben.
Der größte Fehler wäre es, die Verhandlung über die Anschlussfinanzierung als isoliertes Ereignis zu betrachten. Sie ist ein integraler Bestandteil Ihrer gesamten Risikomanagement-Strategie und sollte als solcher behandelt werden – mit Weitblick und strategischer Planung.
Wie reduzieren Sie Zinskosten durch zentrales Liquiditätsmanagement?
Eine der effektivsten Methoden zur Reduzierung von Fremdkapitalkosten und zur Stärkung der internen Finanzkraft ist die Implementierung eines zentralen Liquiditätsmanagements, oft als Cash-Pooling bezeichnet. Das Konzept ist im Kern simpel: Anstatt dass jede Tochtergesellschaft oder Abteilung eigene Konten mit Liquiditätsüberschüssen und -defiziten führt, werden alle liquiden Mittel zentral gebündelt. So können die Überschüsse einer Gesellschaft die Defizite einer anderen ausgleichen, ohne dass teure externe Kreditlinien in Anspruch genommen werden müssen.
Diese Methode reduziert die Abhängigkeit von Banken und senkt die Zinsaufwendungen erheblich, da interne „Kredite“ in der Regel zinslos oder zu wesentlich günstigeren Konditionen als der Markt vergeben werden. Die Visualisierung unten veranschaulicht, wie verstreute Liquidität zu einer zentralen, schlagkräftigen Ressource zusammengeführt wird.

In der Praxis, insbesondere bei der gängigsten Form des Zero-Balancing, werden die Konten der Tochtergesellschaften täglich ausgeglichen und auf einen Zielsaldo (oft null) gebracht. Überschüssige Mittel fließen auf ein zentrales Master-Konto, während Defizite von dort ausgeglichen werden. Wie eine Analyse zur Implementierung im deutschen Mittelstand zeigt, konnte ein Unternehmen mit fünf Tochtergesellschaften durch die Einführung eines solchen Systems seine externen Finanzierungskosten um beeindruckende 30 % senken. Dieses freigesetzte Kapital steht dem Unternehmen für andere strategische Zwecke zur Verfügung, beispielsweise für die Finanzierung von Optionsprämien zur Währungsabsicherung.
Cash-Pooling ist somit mehr als nur ein Instrument zur Zinskostenoptimierung; es ist ein fundamentaler Baustein für ein widerstandsfähiges Finanzierungs-Ökosystem und eine starke Basis für ein effektives Währungsrisikomanagement.
Warum Sie niemals von nur einer Hausbank abhängig sein dürfen
Die Loyalität zu einer einzigen Hausbank, die über Jahre gewachsen ist, fühlt sich oft wie eine sichere Partnerschaft an. In Wahrheit ist sie eine der größten strategischen Schwachstellen für einen exportorientierten Mittelständler – die Abhängigkeitsfalle. In stabilen Zeiten mag diese Beziehung funktionieren, doch in Krisen oder bei wichtigen Verhandlungen (z. B. über Kreditverlängerungen oder Hedging-Konditionen) kehrt sich das Machtverhältnis um. Wenn Ihre Bank weiß, dass Sie keine Alternativen haben, diktiert sie die Konditionen. Dies betrifft nicht nur die Zinssätze für Kredite, sondern insbesondere die Spreads und Gebühren bei Devisengeschäften.
Ein diversifiziertes Bankenportfolio, oft als 3-Banken-Strategie bezeichnet, ist die Grundlage für operative Resilienz. Es versetzt Sie in die Lage, Konditionen zu vergleichen, Wettbewerb zwischen den Anbietern zu erzeugen und für jede Anforderung den besten Partner auszuwählen. Angesichts der Tatsache, dass laut Statistischem Bundesamt allein im ersten Halbjahr 2024 Waren im Wert von über 800 Milliarden Euro exportiert wurden, ist die Optimierung der damit verbundenen Finanztransaktionen ein entscheidender Erfolgsfaktor. Die Abhängigkeit von einer einzigen Bank bedeutet, auf einen erheblichen Teil dieses Optimierungspotenzials zu verzichten.
Die Implementierung einer solchen Strategie erfordert eine klare Struktur und regelmäßige Überprüfung. Es geht nicht darum, willkürlich Konten bei verschiedenen Instituten zu eröffnen, sondern eine durchdachte Aufteilung der Geschäftsbeziehungen vorzunehmen.
Ihr Aktionsplan zur 3-Banken-Strategie
- Hauptbank definieren: Wählen Sie eine Bank für das Kerngeschäft (z.B. Zahlungsverkehr, langfristige Finanzierungen). Hier ist Stabilität und eine langjährige Beziehung von Vorteil.
- Zweitbank für Spezialgeschäfte: Etablieren Sie eine Beziehung zu einer international ausgerichteten Geschäftsbank, die auf Devisenhandel und Exportfinanzierung spezialisiert ist. Nutzen Sie diese für den Vergleich von Spreads bei Termingeschäften und Optionen.
- Flexiblen Partner für Innovation nutzen: Integrieren Sie einen spezialisierten Fintech-Anbieter für schnelle, kostengünstige Währungstransaktionen oder innovative Hedging-Lösungen.
- Regelmäßiges Benchmarking durchführen: Fordern Sie mindestens einmal jährlich von allen drei Partnern Konditionen für ein standardisiertes Geschäft (z. B. ein USD-Termingeschäft über 100.000 EUR) an, um die Wettbewerbsfähigkeit zu prüfen.
- Geschäfte strategisch aufteilen: Legen Sie klare Regeln fest, welcher Partner für welche Produktart, Risikoklasse oder Region zuständig ist, um internes Chaos zu vermeiden und die jeweiligen Stärken optimal zu nutzen.
Indem Sie Wettbewerb schaffen, verwandeln Sie sich von einem abhängigen Kunden in einen umworbenen Partner. Diese Machtverschiebung ist der Schlüssel zu besseren Konditionen und einer widerstandsfähigeren Margenstruktur.
Wann sollten Sie Gespräche über Kreditverlängerungen beginnen?
Der richtige Zeitpunkt für die Aufnahme von Gesprächen über Kreditverlängerungen ist ein entscheidender, aber oft vernachlässigter Aspekt des strategischen Finanzmanagements. Viele Unternehmen beginnen Verhandlungen erst 6 bis 12 Monate vor Ablauf der Frist. Zu diesem Zeitpunkt ist der Verhandlungsspielraum bereits erheblich eingeschränkt, und die Bank befindet sich in einer Position der Stärke. Ein proaktiver Ansatz, der weit früher beginnt, ist der Schlüssel, um optimale Konditionen zu sichern und das eigene Finanzierungs-Ökosystem zu stabilisieren.
Der 18-Monate-vorher-Grundsatz ermöglicht es, aus einer Position der Stärke zu verhandeln und nicht unter Zeitdruck schlechtere Konditionen akzeptieren zu müssen.
– Finanzexperten-Konsens, Best Practice im Kreditmanagement
Dieser „18-Monate-vorher-Grundsatz“ ist mehr als eine Faustregel; er ist ein strategischer Leitsatz. Er gibt Ihnen ausreichend Zeit, Ihre Kennzahlen zu optimieren, Ihr Rating zu verbessern und ernsthafte Sondierungsgespräche mit alternativen Finanzierungspartnern zu führen. Diese Vorbereitung allein signalisiert Ihrer Hausbank, dass Sie Ihre Optionen kennen und nicht auf ihr erstbestes Angebot angewiesen sind. Der „Timing-Hebel“ ist hier Ihr stärkstes Instrument.
Der folgende Zeitplan skizziert die idealen Phasen für die Vorbereitung und Verhandlung von Kreditverlängerungen, um Ihre Verhandlungsposition systematisch aufzubauen und zu maximieren.
| Zeitpunkt vor Ablauf | Maßnahme | Vorteil |
|---|---|---|
| 36 Monate | Erste Marktanalyse und Beobachtung der Zinsentwicklung | Frühzeitiges Erkennen von langfristigen Trends |
| 24 Monate | Gezielte Optimierung von Bilanzkennzahlen und Rating | Verbesserung der Bonität und Verhandlungsbasis |
| 18 Monate | Beginn der ersten unverbindlichen Sondierungsgespräche | Stärkung der Verhandlungsposition durch signalisierte Alternativen |
| 12 Monate | Aufnahme konkreter Verhandlungen mit 2-3 Banken | Ausreichend Zeit, um Angebote zu vergleichen und nachzuverhandeln |
| 6 Monate | Finalisierung der Verträge und juristische Prüfung | Sicherstellung von Rechtssicherheit ohne Zeitdruck |
Die Konditionen, die Sie hier aushandeln, bestimmen die finanzielle Belastung Ihres Unternehmens für die nächsten Jahre und beeinflussen direkt, wie viel Puffer Sie in Ihrer Marge für die Bewältigung von Währungsrisiken haben.
Wie erstellen Sie eine Liquiditätsvorschau für die nächsten 12 Wochen?
Während langfristige Finanzierungsstrategien das Fundament legen, ist die kurzfristige Liquiditätsplanung die erste Verteidigungslinie gegen unvorhergesehene Schocks. Eine rollierende 12-Wochen-Liquiditätsvorschau ist das wichtigste operative Werkzeug eines jeden Treasury-Managers. Sie bietet einen präzisen Blick auf die erwarteten Ein- und Auszahlungen und ermöglicht es, potenzielle Engpässe frühzeitig zu erkennen und proaktiv gegenzusteuern. In einem volatilen Marktumfeld ist diese Voraussicht unerlässlich. Die aktuelle Volatilität, die laut Statistischem Bundesamt zu monatlichen Schwankungen im Exportwert von mehreren Prozentpunkten führen kann, unterstreicht die Notwendigkeit einer engmaschigen Kontrolle.
Die Erstellung ist ein systematischer Prozess, kein Hexenwerk. Sie beginnt mit dem aktuellen Bankguthaben und listet dann wochenweise alle erwarteten Zahlungseingänge (z. B. ausstehende Forderungen, geplante Umsätze) und Zahlungsausgänge (z. B. Lieferantenverbindlichkeiten, Gehälter, Steuern, Zins- und Tilgungszahlungen) auf. Wichtig ist dabei, realistisch und eher konservativ zu planen. Berücksichtigen Sie mögliche Zahlungsverzögerungen bei Kunden und planen Sie einen Puffer für unvorhergesehene Ausgaben ein.
Das Ergebnis ist mehr als nur eine Tabelle. Es ist ein Frühwarnsystem. Zeigt die Vorschau in Woche 8 einen negativen Saldo, haben Sie sieben Wochen Zeit, um Maßnahmen zu ergreifen: Sie können die Inanspruchnahme einer Kreditlinie vorbereiten, mit einem Kunden eine frühere Zahlung aushandeln oder eine geplante Investition verschieben. Ohne diese Vorschau würden Sie erst in Woche 8 von dem Problem erfahren – und müssten unter höchstem Druck eine teure Notlösung finden. Die operative Resilienz Ihres Unternehmens hängt direkt von der Qualität dieser Planung ab.
Sie ermöglicht nicht nur das Überleben in turbulenten Zeiten, sondern schafft auch die Sicherheit, strategische Entscheidungen im Währungsmanagement auf einer soliden Datengrundlage zu treffen, anstatt aus einer Liquiditätsnot heraus handeln zu müssen.
Rechnung oder Vorkasse: Wie beeinflusst die Zahlungsmethode Ihr Risiko?
Die Wahl der Zahlungsmethode in einem Exportgeschäft ist keine reine Service-Entscheidung für den Kunden, sondern ein mächtiger Hebel zur Steuerung des Währungsrisikos. Jede Methode birgt ein unterschiedliches Kosten- und Risikoprofil. Die naheliegendste, aber oft geschäftsschädigende Lösung ist, stur auf Vorkasse oder Fakturierung in Euro zu bestehen. Dies eliminiert zwar Ihr Risiko, kann aber wettbewerbsentscheidende Nachteile mit sich bringen, wenn Kunden im Zielmarkt andere Zahlungsmodalitäten gewohnt sind. Eine strategische Herangehensweise wägt die Risiken gegen die kommerziellen Notwendigkeiten ab.
Die Zahlung per Kreditkarte oder Vorkasse überträgt das Währungsrisiko vollständig auf den Käufer, verursacht aber oft Transaktionskosten von 2-3 %. Die klassische Rechnung mit einem Zahlungsziel von 30, 60 oder 90 Tagen hingegen setzt Sie für diesen Zeitraum dem vollen Währungsrisiko aus. Schwankt der Wechselkurs in dieser Zeit ungünstig, schmilzt Ihre Marge. Dieses Risiko kann durch Hedging-Instrumente abgesichert werden, was wiederum Kosten verursacht. Die Frage ist also: Welche Gesamtkosten sind am Ende am niedrigsten?
Die folgende Analyse zeigt beispielhaft die Gesamtkosten für verschiedene Zahlungsmethoden bei einer Transaktion von 100.000 EUR und verdeutlicht den direkten Zusammenhang zwischen Zahlungsziel und Risikokosten.
| Zahlungsmethode | Transaktionskosten | Dauer des Währungsrisikos | Beispiel-Gesamtkosten bei 100.000 EUR |
|---|---|---|---|
| Kreditkarte (sofort) | 2-3 % | 0 Tage | 2.000 – 3.000 EUR |
| Rechnung (30 Tage, abgesichert) | ca. 0,5 % Hedging-Kosten | 30 Tage (abgesichert) | ca. 500 EUR |
| Rechnung (30 Tage, ungesichert) | 0 % | 30 Tage (offenes Risiko) | 0 EUR + potenziell hoher Margenverlust |
| SEPA-Lastschrift (EUR) | ca. 0,3 % | 5-7 Tage (minimal) | ca. 300 EUR |
Ein intelligenter Ansatz kann darin bestehen, ein duales System zu implementieren. So könnte man Neukunden oder Kunden in besonders volatilen Märkten einen Skonto für die sofortige Zahlung per Kreditkarte anbieten, während man Stammkunden weiterhin ein Zahlungsziel auf Rechnung gewährt, dieses aber konsequent absichert. Wie ein Praxisbeispiel im Maschinenbau zeigt, kann auch eine Kurssicherungsklausel im Vertrag eine Option sein, sofern man diese gegenüber dem Importeur durchsetzen kann.
Es geht darum, eine Balance zu finden, die sowohl kundenfreundlich als auch für Ihr Unternehmen wirtschaftlich tragbar ist, und das Währungsrisiko bewusst zu steuern, anstatt es einfach zu ignorieren oder pauschal auf den Kunden abzuwälzen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Absicherung von Währungsrisiken ist keine isolierte Finanzoperation, sondern das Ergebnis einer proaktiven Gestaltung Ihres gesamten Finanzierungs-Ökosystems.
- Der richtige Zeitpunkt für Finanzierungsgespräche (der „Timing-Hebel“) und eine diversifizierte Bankenlandschaft sind wirkungsvollere Instrumente zur Margensicherung als die reine Auswahl von Hedging-Produkten.
- Interne Optimierung durch zentrales Liquiditätsmanagement (Cash-Pooling) und eine präzise kurzfristige Liquiditätsvorschau reduzieren die Abhängigkeit von externem Kapital und schaffen operative Resilienz.
Warum der starke Franken eine Lehre für alle Exporteure ist
Selbst Währungen, die als Horte der Stabilität gelten, können zur Falle werden. Das prominenteste Beispiel hierfür ist der Schweizer Franken (CHF). Der sogenannte „Frankenschock“ vom Januar 2015 dient als eindringliche Lektion für jeden deutschen Exporteur über die Gefahren plötzlicher, extremer Währungsaufwertungen und die Grenzen traditioneller Absicherungsstrategien.
Was war passiert? Überraschend hob die Schweizer Nationalbank die seit Jahren bestehende Kursbindung des Frankens an den Euro auf. Innerhalb von Minuten wertete der Franken massiv auf. Für deutsche Unternehmen, die in die Schweiz exportierten und ihre Rechnungen in CHF stellten, ohne sich abzusichern, war dies eine Katastrophe. Ihre Forderungen in Franken waren über Nacht in Euro umgerechnet 15-20 % weniger wert. Die Marge für bereits gelieferte, aber noch nicht bezahlte Waren war quasi pulverisiert.
Fallstudie: Der Frankenschock 2015 – Ein Weckruf für Exporteure
Als die Schweizer Notenbank im Januar 2015 den Euro-Mindestkurs aufgab, sprang der Franken-Kurs schlagartig in die Höhe. Wie Analysen des Ereignisses zeigen, hatte dies dramatische Folgen: Für Unternehmen mit Krediten in CHF stieg die Schuldenlast, in Euro umgerechnet, um bis zu 31 %. Deutsche Exporteure, die auf eine stabile Währung vertraut und auf eine Absicherung verzichtet hatten, verloren über Nacht einen Großteil ihrer Gewinnmarge. Die Unternehmen, die diese Krise am besten meisterten, waren jene, die bereits eine Strategie des Natural Hedging implementiert hatten. Sie verfügten über Kosten (z.B. durch einen Produktionsstandort oder Lieferanten) in Schweizer Franken, wodurch die Aufwertung auf der Ertragsseite durch höhere Kosten auf der anderen Seite teilweise kompensiert wurde.
Die Lehre aus dem Frankenschock ist zweifach. Erstens: Verlassen Sie sich niemals auf die vermeintliche Stabilität einer Währung. Politische und notenbanktechnische Entscheidungen können Märkte über Nacht auf den Kopf stellen. Zweitens: Klassisches Hedging ist wichtig, aber eine noch robustere Strategie ist das Natural Hedging. Dabei werden gezielt Kosten in der Fremdwährung aufgebaut, in der auch die Erlöse anfallen. Dies kann durch die Auswahl von Lieferanten im Zielmarkt, die Einrichtung eines lokalen Service-Büros oder sogar eines Produktionsstandortes geschehen. So entsteht eine natürliche Absicherung innerhalb Ihrer operativen Struktur.
Eine wahrhaft resiliente Margenstrategie kombiniert daher finanzielle Absicherungsinstrumente mit operativen, strategischen Entscheidungen wie dem Natural Hedging, um ein robustes und anpassungsfähiges Finanzierungs-Ökosystem zu schaffen.
Fragen und Antworten zur Steuerung von Währungsrisiken
Welche grundlegenden Währungsrisiken gibt es für Exporteure?
Für Exporteure gibt es hauptsächlich zwei Risiken. Das Transaktionsrisiko entsteht, wenn zwischen Vertragsabschluss und Bezahlung einer Rechnung in Fremdwährung der Wechselkurs fällt, wodurch der Erlös in Euro geringer ausfällt. Das Translationsrisiko (oder Umrechnungsrisiko) betrifft Unternehmen mit Auslandstöchtern; bei der Konsolidierung der Bilanzen können Vermögenswerte oder Schulden in Fremdwährung an Wert verlieren.
Wie funktioniert ein Devisentermingeschäft konkret?
Bei einem Devisentermingeschäft (Forward) vereinbaren Sie heute mit Ihrer Bank, einen bestimmten Betrag einer Fremdwährung (z.B. 100.000 USD) zu einem zukünftigen, fest definierten Zeitpunkt (z.B. in 90 Tagen) zu einem heute bereits fixierten Wechselkurs zu verkaufen. Egal, wie sich der Kurs in den 90 Tagen entwickelt, die Transaktion findet zum vereinbarten Kurs statt, was Ihnen volle Planungssicherheit gibt.
Was kostet eine Währungsabsicherung ungefähr?
Die Kosten hängen vom Instrument ab. Bei einem Termingeschäft sind die Kosten im Terminkurs „versteckt“ und ergeben sich aus der Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungsräumen. Bei einer Option zahlen Sie eine explizite Prämie, deren Höhe von der Laufzeit, der Volatilität des Währungspaares und dem gewählten Absicherungsniveau abhängt. Als grobe Faustregel können die Kosten für eine Absicherung zwischen 0,5 % und 2 % des abgesicherten Volumens liegen.