
Zusammenfassend:
- Erweitern Sie Ihren Talent-Pool gezielt auf übersehene Gruppen wie internationale Fachkräfte, Quereinsteiger und die Generation 60+.
- Bieten Sie radikale Flexibilität (4-Tage-Woche, Vertrauensarbeitszeit) statt nur mehr Gehalt, um Eltern und die Gen Z zu binden.
- Analysieren Sie offene Stellen kritisch: Oft kann ein Teil der Aufgaben durch Software automatisiert und der Rest intern umverteilt werden.
Der Stapel an Bewerbungen wird dünner, die wirklich guten Leute sind vom Markt und Ihre Konkurrenz in der Großstadt scheint mühelos Talente anzuziehen. Als Unternehmer in einer ländlichen Region oder einer weniger populären Branche kennen Sie dieses Gefühl der Ohnmacht. Die üblichen Ratschläge – „Polieren Sie Ihr Employer Branding auf!“, „Bieten Sie mehr Gehalt!“ – klingen wie Hohn, wenn das Budget begrenzt und der Standort ein festes Faktum ist.
Doch was, wenn das Spiel für Sie nach anderen Regeln gespielt werden muss? Was, wenn die Lösung nicht darin liegt, lauter als die Konkurrenz zu schreien, sondern dort zu fischen, wo niemand hinschaut? Die Antwort auf den Fachkräftemangel liegt nicht in der Wiederholung alter Strategien, sondern in einem radikalen Umdenken. Es geht darum, verborgene Talent-Pools zu erschließen, Arbeit neu zu definieren und die wahren Bedürfnisse potenzieller Mitarbeiter zu verstehen, die weit über den Firmenwagen hinausgehen.
Dieser Artikel verlässt die ausgetretenen Pfade. Wir zeigen Ihnen acht unkonventionelle, aber praxiserprobte Wege, wie Sie den Teufelskreis des Personalengpasses durchbrechen. Von der legalen Einwanderung qualifizierter Fachkräfte über die gezielte Automatisierung von Aufgaben bis hin zur Kunst, Entwickler für Kommunikation zu begeistern – entdecken Sie, wie Sie mit cleveren Strategien statt mit einem riesigen Budget gewinnen.
Die folgenden Abschnitte bieten Ihnen einen strukturierten Überblick über konkrete Lösungsansätze. Jeder Bereich beleuchtet eine spezifische, oft übersehene Zielgruppe oder eine innovative Methode, um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen.
Inhaltsverzeichnis: Kreative Wege aus dem Personalengpass
- Visum und Anerkennung: Wie holen Sie Fachkräfte legal aus Nicht-EU-Staaten?
- Wie nutzen Sie das Potenzial von Quereinsteigern?
- Wie motivieren Sie die Generation 60+ länger zu bleiben?
- Was zählt für Gen Z mehr als der Firmenwagen?
- Können Sie die offene Stelle durch Software ersetzen statt neu zu besetzen?
- 4-Tage-Woche oder Vertrauensarbeitszeit: Was bindet Eltern und Pflegeverantwortliche?
- Wie bringen Sie Entwicklern Kommunikation bei, ohne Widerstand zu erzeugen?
- Wie schreiben Sie IT-Experten auf LinkedIn an, ohne ignoriert zu werden?
Visum und Anerkennung: Wie holen Sie Fachkräfte legal aus Nicht-EU-Staaten?
Während deutsche Unternehmen über den leeren heimischen Markt klagen, wartet ein globaler Pool an Talenten darauf, entdeckt zu werden. Die Hürden für die Einwanderung von Fachkräften aus Nicht-EU-Staaten waren lange hoch, doch das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz hat entscheidende Türen geöffnet. Die größte Neuerung ist die Chancenkarte, ein punktebasiertes System, das qualifizierten Personen die Jobsuche direkt in Deutschland ermöglicht. Anstatt auf einen festen Arbeitsvertrag zu warten, können potenzielle Mitarbeiter einreisen und sich vor Ort bewerben.
Der Prozess mag auf den ersten Blick komplex wirken, ist aber für Unternehmen eine strategische Investition. Um die Chancenkarte zu erhalten, müssen Kandidaten mindestens 6 Punkte in einem Kriterienkatalog erreichen, der Qualifikation, Sprachkenntnisse und Berufserfahrung bewertet. Ihre Aufgabe als Arbeitgeber ist es, diesen Prozess aktiv zu unterstützen, etwa durch die Bereitstellung von Informationen und die Unterstützung bei der Anerkennung von Berufsqualifikationen.

Wie die Abbildung symbolisiert, ist die Integration ein gemeinsamer Prozess. Laut den Regelungen zur schrittweisen Anerkennung von Berufsqualifikationen können Fachkräfte mit Teilanerkennung bereits während des Anerkennungsprozesses in Deutschland arbeiten. Dies ermöglicht es Ihnen, neue Mitarbeiter schneller einzusetzen und die Qualifizierung „on the job“ abzuschließen. Bieten Sie Probearbeitsmöglichkeiten oder eine Nebenbeschäftigung von bis zu 20 Stunden pro Woche an, um den Einstieg zu erleichtern und die Eignung im realen Arbeitsumfeld zu testen.
Dieser Talent-Pool erfordert zwar administrativen Aufwand, belohnt aber mit hochmotivierten und loyalen Mitarbeitern, die eine Chance suchen, die ihnen der heimische Markt nicht bieten kann.
Wie nutzen Sie das Potenzial von Quereinsteigern?
In vielen Unternehmen herrscht die fixe Idee, dass nur ein perfekt passender Lebenslauf zu einer erfolgreichen Besetzung führt. Diese Denkweise ist ein Luxus, den sich im heutigen Arbeitsmarkt kaum jemand leisten kann. Das wahre Potenzial liegt oft in den Quereinsteigern – Menschen mit Talent, Motivation und vor allem übertragbaren Kompetenzen. Ein Event-Manager bringt exzellentes Projektmanagement mit, ein ehemaliger Offizier Führungsqualitäten und ein Gastronom eine unschätzbare Kundenorientierung. Ihre Aufgabe ist es, nicht auf fehlende Fachkenntnisse zu starren, sondern das Potenzial dieser Kompetenzen zu erkennen.
Die Bundesregierung hat diesen Hebel erkannt und unterstützt Unternehmen aktiv. Mit dem Qualifizierungschancengesetz können Sie sich die Umschulung von Quereinsteigern erheblich fördern lassen. Wie eine aktuelle Regelung der Bundesagentur für Arbeit zeigt, werden für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bis zu 100% der Weiterbildungskosten und sogar Lohnkostenzuschüsse übernommen, insbesondere in Mangelberufen wie IT, Pflege und Handwerk.
Um das Potenzial von Quereinsteigern systematisch zu erschließen, müssen Sie Ihren Recruiting-Prozess anpassen. Konzentrieren Sie sich im Gespräch weniger auf die Vergangenheit und mehr auf die Lernfähigkeit, Problemlösungskompetenz und die Motivation des Bewerbers. Der folgende Vergleich zeigt, wie Kompetenzen aus anderen Branchen direkt auf typische Vakanzen in KMU übertragen werden können.
| Ursprungsberuf | Übertragbare Kompetenz | Zielposition |
|---|---|---|
| Event-Manager | Projektmanagement | Projektleiter IT |
| Militäroffizier | Führungskompetenz | Teamleiter Produktion |
| Gastronom | Kundenorientierung | Customer Success Manager |
| Lehrer | Didaktik & Training | HR-Entwicklung |
Quereinsteiger sind oft besonders loyale und dankbare Mitarbeiter, weil sie eine echte Chance erhalten haben. Sie bringen frische Perspektiven in Ihr Unternehmen und brechen eingefahrene Denkmuster auf.
Wie motivieren Sie die Generation 60+ länger zu bleiben?
Während viele Unternehmen den demografischen Wandel beklagen, übersehen sie die wertvollste Ressource, die sie bereits im Haus haben: erfahrene Mitarbeiter der Generation 60+. Diese Mitarbeiter besitzen nicht nur unschätzbares Fachwissen, sondern auch eine hohe Loyalität und ein tiefes Verständnis für die Unternehmenskultur. Sie gehen zu lassen, bedeutet, institutionelles Gedächtnis und gelebte Erfahrung zu verlieren. Die Herausforderung besteht nicht darin, sie zum Bleiben zu zwingen, sondern attraktive Bedingungen zu schaffen, die einen flexiblen Übergang in den Ruhestand ermöglichen.
Viele ältere Arbeitnehmer möchten nicht von 100 auf 0 gehen. Sie wünschen sich eine Reduzierung der Arbeitslast, aber weiterhin eine sinnvolle Aufgabe. Oft bleiben sie sogar, weil ihre Stelle nicht nachbesetzt werden kann, wie eine aktuelle Erhebung zeigt. Dies ist Ihre Chance, proaktiv Modelle anzubieten, die sowohl dem Unternehmen als auch dem Mitarbeiter nutzen. Dazu gehören:
- Altersteilzeit-Modelle: Ein gleitender Übergang, bei dem die Arbeitszeit schrittweise reduziert wird.
- Senior Expert-Positionen: Erfahrene Mitarbeiter arbeiten projektbasiert und geben ihr Wissen gezielt weiter, ohne im Tagesgeschäft gebunden zu sein.
- Job-Tandems: Ein älterer Kollege arbeitet einen jüngeren Mitarbeiter ein und teilt sich mit ihm eine Stelle.
- Mentoren-Programme: Reduzierte Stunden für die gezielte Weitergabe von Wissen an die nächste Generation.
Ein entscheidender Faktor ist die Anerkennung ihrer Expertise. Behandeln Sie sie nicht als Auslaufmodell, sondern als wertvolle Berater und Mentoren. Die Schaffung von „Senior Expert“-Rollen oder die Leitung von internen Wissens-Akademien kann die intrinsische Motivation enorm steigern. Diese Modelle binden nicht nur wertvolles Know-how, sondern entlasten auch jüngere Führungskräfte und verbessern das Betriebsklima durch generationenübergreifenden Austausch.
Anstatt den „Silver Tsunami“ zu fürchten, sollten Sie lernen, auf der Welle der Erfahrung zu reiten. Das sichert nicht nur kurzfristig Kapazitäten, sondern stärkt langfristig die Kompetenz Ihres gesamten Teams.
Was zählt für Gen Z mehr als der Firmenwagen?
Wenn Sie versuchen, Talente der Generation Z mit den Statussymbolen der Vergangenheit zu locken, werden Sie scheitern. Für diese digitale und werteorientierte Generation sind ein Firmenwagen oder ein Eckbüro keine schlagkräftigen Argumente mehr. Was wirklich zählt, ist eine Kombination aus Flexibilität, Sinnhaftigkeit und Entwicklungsperspektiven. Unternehmen, die das verstehen, haben einen entscheidenden Vorteil im Wettbewerb um die besten jungen Köpfe. Es geht nicht mehr nur um einen Job, sondern um ein Arbeitsumfeld, das sich dem Leben anpasst – nicht umgekehrt.
Heute erwarten Bewerber eine moderne Unternehmenskultur. Ein Obstkorb oder gelegentliches Homeoffice sind kein Ersatz für wirklich attraktive Arbeitsmodelle. Wie Experten betonen, sind klare Karrierechancen und flexible Arbeitsbedingungen die wahren Währungen. Die Generation Z will lernen, wachsen und einen Beitrag leisten, der über reine Profitmaximierung hinausgeht. Sie suchen nach einem „Purpose“ und hinterfragen, wofür Ihr Unternehmen steht. Ihre Social-Media-Präsenz, Ihr Engagement für Nachhaltigkeit und Ihre Haltung zu gesellschaftlichen Themen werden genau beobachtet.

Die visuelle Darstellung einer modernen Arbeitsumgebung ist mehr als nur eine ästhetische Frage; sie ist ein Statement. Offene Räume, flexible Arbeitszonen und die Möglichkeit, den Arbeitsort frei zu wählen, signalisieren Vertrauen und Autonomie. Statt starrer Hierarchien und Kontrollmechanismen punkten Sie mit einer Kultur des Vertrauens und der Eigenverantwortung. Bieten Sie klare Weiterbildungspfade, Mentoring durch erfahrene Kollegen und die Möglichkeit, an Projekten mit gesellschaftlichem Mehrwert zu arbeiten.
Letztendlich gewinnt nicht das Unternehmen mit dem höchsten Gehalt, sondern das mit der überzeugendsten Antwort auf die Frage: „Warum sollte ich meine Zeit und mein Talent ausgerechnet bei euch investieren?“
Können Sie die offene Stelle durch Software ersetzen statt neu zu besetzen?
Jede offene Stelle ist eine Chance, Prozesse fundamental zu hinterfragen. Anstatt reflexartig nach einem 1:1-Ersatz zu suchen, sollten Sie die Methode der „Job Deconstruction“ anwenden. Fragen Sie sich: Welche Aufgaben hat die Person wirklich erledigt? Und welche davon kann eine Software besser, schneller und günstiger übernehmen? Oft stellt sich heraus, dass ein erheblicher Teil einer Position aus repetitiven, administrativen Tätigkeiten besteht, die reif für die Automatisierung sind. Die verbleibenden, hochqualifizierten Aufgaben können oft von bestehenden Teammitgliedern übernommen werden, deren Kapazitäten durch die Automatisierung frei werden.
Diese Herangehensweise verwandelt ein Personalproblem in eine Effizienz-Chance. Anstatt monatelang eine „eierlegende Wollmilchsau“ zu suchen, investieren Sie in Technologie, die sofort Mehrwert schafft. Der Markt für Business-Software bietet heute Lösungen für fast jeden Bereich, von der Buchhaltung bis zum Kundenservice. Der Schlüssel liegt darin, die größten Zeitfresser in Ihrem Unternehmen zu identifizieren und gezielt zu eliminieren.
Das folgende Tableau zeigt beispielhaft, welche enormen Einsparungen durch den Einsatz spezialisierter Software in typischen KMU-Aufgabenbereichen möglich sind. Diese Zeit kann Ihr bestehendes Team für wertschöpfendere Tätigkeiten nutzen.
| Aufgabenbereich | Automatisierungslösung | Zeitersparnis |
|---|---|---|
| Vorbereitende Buchhaltung | DATEV Unternehmen online | 60% |
| Spesenabrechnungen | Circula | 75% |
| First-Level-Support | Chatbots | 50% |
| Bewerbermanagement | ATS-Systeme | 40% |
Die systematische Analyse einer vakanten Stelle ist der Kern dieser Strategie. Mit der richtigen Methode können Sie nicht nur Kosten sparen, sondern auch die Zufriedenheit Ihres bestehenden Teams steigern, indem Sie es von monotonen Aufgaben befreien.
Ihr Aktionsplan: Job-Deconstruction in 5 Schritten
- Aufgaben inventarisieren: Listen Sie jede einzelne Tätigkeit der vakanten Stelle detailliert auf (z.B. Rechnungen prüfen, Kundenanfragen per E-Mail beantworten).
- Potenziale identifizieren: Markieren Sie alle Aufgaben, die repetitiv, regelbasiert oder administrativ sind (z.B. Daten von A nach B übertragen).
- Automatisierung prüfen: Recherchieren Sie für die markierten Aufgaben gezielt nach passenden Softwarelösungen (z.B. „Software für Spesenabrechnung“).
- Aufgaben neu bündeln: Fassen Sie die verbleibenden, anspruchsvollen Tätigkeiten zu einem neuen, attraktiveren Jobprofil zusammen.
- Internes Reskilling starten: Prüfen Sie, ob ein bestehender Mitarbeiter durch eine gezielte Weiterbildung diese neue Rolle übernehmen kann.
Am Ende haben Sie vielleicht keine neue Person eingestellt, aber Ihr Unternehmen effizienter, resilienter und für die verbleibenden Mitarbeiter attraktiver gemacht.
4-Tage-Woche oder Vertrauensarbeitszeit: Was bindet Eltern und Pflegeverantwortliche?
Ein riesiger, oft übersehener Talent-Pool besteht aus Menschen mit Sorgeverantwortung – meist Frauen, die wegen Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen in Teilzeit arbeiten oder dem Arbeitsmarkt gar nicht zur Verfügung stehen. Laut einer aktuellen DGB-Befragung leisten überwiegend Frauen zusätzliche Sorgearbeit und reduzieren deshalb ihre Erwerbstätigkeit. Diese hochqualifizierten und erfahrenen Fachkräfte mit Standard-Arbeitszeitmodellen von 9 bis 17 Uhr zu ködern, ist aussichtslos. Der Schlüssel zu diesem Talent-Pool ist radikale Flexibilität.
Die zwei wirkungsvollsten Modelle sind die 4-Tage-Woche und die Vertrauensarbeitszeit. Die 4-Tage-Woche, bei der die Arbeitszeit entweder auf vier Tage komprimiert oder die Gesamtstundenzahl bei vollem Lohnausgleich reduziert wird, bietet einen komplett freien Tag für Erledigungen, Arztbesuche oder einfach nur Erholung. Dies erhöht die Planbarkeit enorm. Die Vertrauensarbeitszeit geht noch einen Schritt weiter: Hier zählt das Ergebnis, nicht die Anwesenheit. Mitarbeiter können ihre Arbeit dann erledigen, wenn es in ihren Tagesablauf passt – sei es früh morgens, spät abends oder am Wochenende.
Diese Modelle sind kein Sozialprogramm, sondern ein knallharter Wettbewerbsvorteil. Sie signalisieren Vertrauen und ermöglichen es Talenten, Beruf und Privatleben wirklich zu vereinbaren. Für ein KMU in einer ländlichen Region, das beim Gehalt nicht mit Konzernen mithalten kann, ist dies ein unschätzbarer Vorteil. Sie bieten etwas, das viele Großunternehmen in ihrer starren Struktur nicht können: echte Lebensqualität. Ergänzt durch steuerlich begünstigte „Care-Benefits“ wie Kita-Zuschüsse oder Beratungsdienste für pflegende Angehörige, schaffen Sie ein Gesamtpaket, das für diese Zielgruppe unwiderstehlich ist.
Indem Sie die Realität der „Care-Ökonomie“ anerkennen und Lösungen statt Hindernisse bieten, gewinnen Sie hochmotivierte Mitarbeiter, die Ihr Vertrauen mit Engagement und Loyalität zurückzahlen.
Wie bringen Sie Entwicklern Kommunikation bei, ohne Widerstand zu erzeugen?
Die Forderung „Unsere Entwickler müssen besser kommunizieren!“ hallt durch viele Unternehmen. Das Problem: Technische Experten sehen ihre primäre Aufgabe im Coden, nicht in Präsentationen. Direkte Anordnungen für Kommunikationstrainings erzeugen oft Widerstand und werden als Zeitverschwendung angesehen. Der Schlüssel liegt darin, die Verbesserung der Kommunikationsfähigkeiten nicht als lästige Pflicht, sondern als integralen Bestandteil ihrer Arbeit und als Spiel zu gestalten. Gamification ist hier das Zauberwort.
Anstatt abstrakte Trainings anzubieten, schaffen Sie Anreize und Wettbewerbe, die direkt an die Arbeitsergebnisse gekoppelt sind. Entwickler sind es gewohnt, in Systemen mit klaren Regeln und Feedbackschleifen zu arbeiten. Nutzen Sie diese Denkweise! Ein Award für die „verständlichste Feature-Demo des Monats“ motiviert mehr als jeder Rhetorik-Kurs. Wenn es Punkte für gut dokumentierte APIs gibt, die auch von Nicht-Technikern verstanden werden, wird Dokumentation plötzlich zu einer wertvollen Fähigkeit.
Die folgenden Ansätze integrieren Kommunikationstraining spielerisch in den agilen Alltag von Entwicklerteams:
- Awards einführen: Prämieren Sie die beste technische Dokumentation oder die klarste Präsentation in einem Sprint-Review.
- Peer-Reviews nutzen: Lassen Sie Entwickler gegenseitig die Qualität ihrer Code-Kommentare oder Präsentationen bewerten.
- Team-Challenges starten: Welches Team schafft es, ein komplexes technisches Thema am einfachsten für das Vertriebsteam aufzubereiten?
- Mentoring-Programme etablieren: Koppeln Sie einen Senior Developer, der gut kommuniziert, mit einem Junior, der hier noch Lernbedarf hat.
Dieser Ansatz verlagert den Fokus von einer empfundenen Schwäche („Du kannst nicht kommunizieren“) zu einer anerkennenden Stärke („Deine Erklärung war so gut, du hast den Award gewonnen“). Es geht darum, eine Kultur zu schaffen, in der klare Kommunikation als Teil exzellenter Ingenieursleistung angesehen wird. Wenn Entwickler erkennen, dass ihre Ideen durch bessere Kommunikation mehr Wirkung entfalten, wächst die intrinsische Motivation von selbst.
Sie bekämpfen so nicht nur ein Symptom, sondern verbessern die Zusammenarbeit im gesamten Unternehmen und machen Ihre technischen Teams noch wertvoller.
Das Wichtigste in Kürze
- Denken Sie über den Tellerrand: Die besten Talente sind oft in übersehenen Gruppen zu finden – international, branchenfremd oder erfahren.
- Flexibilität schlägt Gehalt: Moderne Arbeitsmodelle wie die 4-Tage-Woche sind für viele wertvoller als ein Bonus.
- Stelle dekonstruieren, nicht nur besetzen: Prüfen Sie, welche Aufgaben einer Vakanz durch Software ersetzt und welche intern neu verteilt werden können.
Wie schreiben Sie IT-Experten auf LinkedIn an, ohne ignoriert zu werden?
IT-Experten, insbesondere Softwareentwickler, sind auf Plattformen wie LinkedIn oder XING permanentem „Recruiter-Spam“ ausgesetzt. Standardisierte Massennachrichten mit vagen Jobbeschreibungen landen ungelesen im digitalen Papierkorb. Um hier durchzudringen, müssen Sie die Regeln des Spiels verstehen. Die wichtigste Regel lautet: Die besten Kandidaten sind meist nicht aktiv auf Jobsuche. Sie müssen also überzeugt, nicht nur informiert werden.
Nur 14% der bundesweit Beschäftigten suchen aktiv nach einem Job. Etwa 40% der Beschäftigten sind zwar wechselbereit, suchen aber nicht aktiv.
– BankingHub Studie, Social Media Recruiting als Antwort auf den Fachkräftemangel
Diese Zahlen zeigen: Sie müssen die passiven Kandidaten erreichen. Dies gelingt nur mit einer hochgradig personalisierten und wertschätzenden Direktansprache. Vergessen Sie HR-Floskeln. Die Nachricht muss von jemandem kommen, der fachlich auf Augenhöhe ist – idealerweise vom zukünftigen direkten Vorgesetzten wie dem CTO oder Head of Engineering. Das signalisiert sofort Respekt und Ernsthaftigkeit. Der Inhalt der Nachricht ist entscheidend:
- Stellen Sie einen persönlichen Bezug her: Zeigen Sie, dass Sie Ihre Hausaufgaben gemacht haben. Beziehen Sie sich auf ein konkretes GitHub-Projekt, einen Fachartikel oder einen Konferenzvortrag des Kandidaten.
- Präsentieren Sie eine Herausforderung, keinen Job: Statt einer langweiligen Stellenbeschreibung skizzieren Sie ein spannendes technisches Problem, das es bei Ihnen zu lösen gilt. („Wir bauen gerade unsere Microservices-Architektur um und stehen vor der Herausforderung X. Ihr Ansatz zu Y hat uns inspiriert.“)
- Bieten Sie einen niederschwelligen Call-to-Action: Fragen Sie nicht nach einem Lebenslauf. Schlagen Sie einen „15-minütigen virtuellen Kaffee zum Austausch über Technologie Z“ vor. Das ist unverbindlich und auf Augenhöhe.
Hören Sie auf, auf Bewerbungen zu warten, die nicht kommen. Analysieren Sie jetzt, welche dieser unkonventionellen Strategien am besten zu Ihrem Unternehmen passt und beginnen Sie noch heute mit der aktiven Gestaltung Ihrer personellen Zukunft.
Häufig gestellte Fragen zum Thema kreative Personalgewinnung
Wie funktioniert die 4-Tage-Woche rechtlich?
Die Arbeitszeit wird auf vier Tage komprimiert oder die Gesamtstundenzahl reduziert. Rechtlich einfacher umsetzbar als Vertrauensarbeitszeit durch klare Zeiterfassung.
Welche Care-Benefits sind steuerlich begünstigt?
Kita-Zuschüsse bis 1000 Euro jährlich steuerfrei, Betreuungskosten als Sachbezug, externe Beratungsdienste für pflegende Angehörige.
Kann man temporär zwischen Modellen wechseln?
Ja, befristete Vereinbarungen für Schulferien oder Pflegephasen sind möglich und erhöhen die Planbarkeit für Familien.