Veröffentlicht am März 11, 2024

Eine Roadmap ist kein Dokument, sondern der moderierte Prozess, der eine Unternehmensvision in eine für alle verständliche, visuelle Geschichte übersetzt.

  • Silos brechen nicht durch Anweisungen auf, sondern durch ein gemeinsames Verständnis der strategischen Ziele.
  • Visuelle Darstellungen sind kognitiv effektiver als Daten in Excel-Tabellen und fördern das Engagement.

Empfehlung: Ersetzen Sie die jährliche Top-Down-Planung durch einen strukturierten, viertägigen Workshop-Prozess, um eine von allen mitgetragene Roadmap zu entwickeln und den Betriebsrat frühzeitig als strategischen Partner einzubinden.

Als Führungskraft kennen Sie das Dilemma: Die Strategie ist brillant, die Ziele sind ambitioniert, doch in der operativen Umsetzung versandet die Vision. Abteilungen arbeiten aneinander vorbei, Prioritäten verschwimmen und das, was als klarer Plan begann, fühlt sich an wie eine Übersetzung, bei der die Bedeutung verloren ging. Dieses Phänomen, bekannt als Silo-Denken, ist weniger ein Problem mangelnden Willens als vielmehr ein Symptom fehlender gemeinsamer Orientierung. Viele Unternehmen versuchen, dem mit detaillierten Excel-Listen, Projektplänen und endlosen Meetings beizukommen, doch diese Werkzeuge zeigen oft nur das „Was“, nicht aber das „Warum“.

Doch was wäre, wenn eine Roadmap weniger ein statisches Dokument und mehr eine lebendige, visuelle Erzählung wäre? Was, wenn sie das Ergebnis eines sorgfältig choreografierten Prozesses ist, der strategische Klarheit nicht anordnet, sondern gemeinsam im Team erschafft? Genau hier liegt der Schlüssel, um Silos nicht gewaltsam einzureißen, sondern elegante Brücken zwischen ihnen zu bauen. Es geht darum, das abstrakte Unternehmensziel in konkrete, greifbare Bilder im Kopf jedes Mitarbeiters zu verwandeln. Eine gute Roadmap beantwortet nicht nur die Frage „Was tun wir als Nächstes?“, sondern vor allem „Welchen Beitrag leiste ich zur großen Vision?“.

Dieser Artikel ist Ihr Leitfaden, um genau diesen Wandel zu vollziehen. Wir führen Sie durch die psychologischen Grundlagen, warum visuelle Pläne wirken, stellen einen konkreten Workshop-Prozess vor, um Ihre eigene Roadmap zu entwickeln, und zeigen, wie Sie diese als dynamisches Steuerungsinstrument nutzen, um Ihr Unternehmen widerstandsfähiger und agiler zu machen. Das Ziel ist eine strategische Ausrichtung, die von allen verstanden, geteilt und gelebt wird.

Warum Bilder im Kopf der Mitarbeiter besser haften als Excel-Tabellen

Das menschliche Gehirn ist für die Verarbeitung visueller Informationen optimiert. Komplexe Zusammenhänge, die in langen Texten oder unzähligen Excel-Zeilen verborgen sind, werden durch eine visuelle Darstellung sofort greifbar. Eine Roadmap, die wie eine Landkarte aussieht, schafft eine gemeinsame Sprache und einen mentalen Ankerpunkt. Anstatt abstrakter Quartalsziele sehen die Mitarbeiter eine Reise von Punkt A nach Punkt B mit klaren Meilensteinen. Diese visuelle Erzählung aktiviert andere Hirnareale als eine reine Datenanalyse und fördert so ein tieferes, emotionaleres Verständnis für die Strategie. Es ist der Unterschied zwischen dem Lesen eines Fahrplans und dem Betrachten einer interaktiven Karte der Reiseroute.

Dieser Effekt ist nicht nur eine gefühlte Wahrheit, sondern messbar. Projekte, die visuelle Managementmethoden einsetzen, haben eine deutlich höhere Erfolgsquote. Eine Studie des Project Management Institute (PMI) zeigt, dass visuell gemanagte Projekte eine um 71 % höhere Erfolgsquote aufweisen. Der Grund: Visuelle Klarheit reduziert Missverständnisse, deckt Abhängigkeiten auf und macht den Fortschritt für alle sichtbar. Dies steigert nicht nur die Effizienz, sondern auch die Motivation und das Gefühl der Mitverantwortung.

Vergleich zwischen bunter visueller Roadmap und grauer Datentabelle mit engagierten Mitarbeitern

Die Darstellung unten illustriert diesen Kontrast: Auf der einen Seite die unübersichtliche Komplexität von Rohdaten, auf der anderen eine klare, farbkodierte Roadmap, die Orientierung gibt. Wie Office Timeline Deutschland in seinem Leitfaden treffend formuliert, macht visuelles Projektmanagement „komplexe Pläne in Visualisierungen verwandelbar, die sich leicht teilen, interpretieren und umsetzen lassen“. Genau diese Übersetzungsarbeit von komplexen Zielen in ein einfaches, gemeinsames Bild ist die Kernaufgabe einer modernen Führungskraft.

Wie Sie in 4 Workshops eine Roadmap entwickeln, die alle mittragen

Eine wirksame Roadmap entsteht nicht im stillen Kämmerlein der Geschäftsführung. Sie ist das Ergebnis eines choreografierten Prozesses, der die wichtigsten Stakeholder gezielt einbindet. Anstatt einer einzigen, langen Planungssitzung hat sich ein modularer Ansatz aus vier spezialisierten Workshops bewährt. Dieser Prozess stellt sicher, dass nicht nur die strategische Richtung stimmt, sondern auch die operative Machbarkeit und die Akzeptanz im Team gewährleistet sind. Entscheidend im deutschen Kontext ist die frühzeitige Einbindung des Betriebsrats – nicht als Hürde, sondern als strategischer Verbündeter für den Wandel.

Wer ist für die Roadmap verantwortlich? Letztlich die Führungsebene, aber die Erstellung ist eine Teamleistung. Die folgende Tabelle skizziert einen praxiserprobten 4-Tage-Prozess, der speziell für den deutschen Mittelstand angepasst ist. Er beginnt mit einem entscheidenden Alignment-Workshop mit dem Betriebsrat, um von Anfang an eine Vertrauensbasis zu schaffen. Erst danach folgen die Workshops zur Vision, Priorisierung und finalen Erstellung. Wie aus einer Analyse der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V. hervorgeht, ist die Einbindung aller relevanten Parteien ein zentraler Erfolgsfaktor für agile Transformationen.

Die 4 essentiellen Roadmap-Workshops
Workshop Ziel Teilnehmer Dauer Ergebnis
Workshop 0: Betriebsrat-Alignment Frühzeitige Einbindung als Verbündete Betriebsrat, Führung, HR 2 Stunden Kommunikationsvereinbarung
Workshop 1: Vision & Ziele Gemeinsame Vision entwickeln Führungsteam, Abteilungsleiter 1 Tag Strategische Ziele
Workshop 2: Priorisierung Initiatives mit RICE-Framework bewerten Cross-funktionales Team 4 Stunden Priorisierte Initiative-Liste
Workshop 3: Roadmap-Erstellung Visueller Plan mit Meilensteinen Roadmap-Komitee 1 Tag Finale Roadmap v1.0
Workshop 4: Kommunikation Rollout-Plan entwickeln Alle Stakeholder 2 Stunden Kommunikationsmatrix

Dieser strukturierte Ansatz verwandelt die Roadmap-Erstellung von einer reinen Planungsaufgabe in ein mächtiges Instrument des Change-Managements. Jeder Workshop baut auf dem vorherigen auf und schafft schrittweise ein gemeinsames Verständnis und Commitment. Das Ergebnis ist mehr als nur ein Plan; es ist eine von allen getragene Vereinbarung, die Silos durch gemeinsame Ziele und einen klaren, visuellen Pfad überwindet.

Strategische Ziele vs. Features: Wo liegt der Unterschied für das Management?

Einer der häufigsten Fehler bei der Roadmap-Erstellung ist die Verwechslung von strategischen Zielen mit konkreten Features oder Aufgaben. Eine Roadmap voller Features ist nur eine glorifizierte To-do-Liste. Sie beantwortet das „Was“, aber nicht das „Warum“. Ein strategisches Ziel beschreibt ein messbares Ergebnis oder eine gewünschte Veränderung für das Geschäft oder den Kunden. Ein Feature ist eine konkrete Lösung, um dieses Ziel zu erreichen. Für das Management ist diese Unterscheidung fundamental: Führt man nach Zielen, gibt man den Teams Autonomie bei der Lösungsfindung. Führt man nach Features, erzeugt man eine „Abarbeitungs-Kultur“ ohne strategischen Weitblick.

Was gehört also in eine Roadmap? Die Antwort ist klar: strategische Ziele, geclustert nach Themen oder Initiativen. Die konkreten Features gehören ins Backlog des jeweiligen Produkt- oder Projektteams. Die Roadmap gibt die Richtung vor (z.B. „Marktanteil in Süddeutschland um 10% steigern“), die Teams entscheiden über den besten Weg dorthin (z.B. „Regionale Marketingkampagne starten“ oder „Vertriebsteam vor Ort aufstocken“).

Fallbeispiel: Strategische Klarheit im deutschen Maschinenbau

Ein mittelständischer Maschinenbauer wollte die Kundenzufriedenheit erhöhen. Die erste Roadmap enthielt das Feature: „Neuen Sensor in Maschine X verbauen“. Nach einer Strategiediskussion wurde dies korrigiert. Das neue strategische Ziel auf der Roadmap lautete: „Stillstandszeit bei Kunden um 20% reduzieren„. Dieser Perspektivwechsel hatte enorme Auswirkungen. Das Ingenieursteam war nun nicht mehr nur auf den Sensor fixiert. Sie entwickelten zusätzlich eine Predictive-Maintenance-Software und optimierten den Ersatzteil-Service – Maßnahmen, die sie unter der reinen Feature-Vorgabe nie in Betracht gezogen hätten. Das Ziel wurde übererfüllt, weil die Roadmap den Raum für intelligente Lösungen öffnete, anstatt ihn durch eine starre Vorgabe zu schließen.

Dieses Beispiel aus dem deutschen Maschinenbau zeigt, wie entscheidend die richtige Flughöhe ist. Wie Experten der GPM betonen, gilt es für Organisationen, „den Raum im Sinne eines gewünschten Zielzustandes zu interpretieren“. Die Aufgabe des Managements ist es, diesen Zielzustand klar zu definieren und die Teams zu befähigen, ihn auf dem bestmöglichen Weg zu erreichen. Die Roadmap ist dabei der Kompass, nicht die detaillierte Wegbeschreibung.

Der „Hockey-Stick“-Effekt: Warum überoptimistische Pläne demotivieren

In vielen Chefetagen herrscht ein gefährlicher Optimismus, der sich in sogenannten „Hockey-Stick“-Plänen manifestiert: eine lange Phase stagnierender Vorbereitung, gefolgt von einem unrealistisch steilen Anstieg von Umsatz, Produktivität oder anderen KPIs gegen Ende des Jahres. Diese Art der Planung ist nicht nur betriebswirtschaftlich fragwürdig, sondern vor allem ein Motivationskiller. Wenn Mitarbeiter konstant mit Zielen konfrontiert werden, die unerreichbar scheinen, führt das nicht zu mehr Anstrengung, sondern zu Frustration, Zynismus und im schlimmsten Fall zu Burnout. Der Plan wird nicht mehr als gemeinsame Vision, sondern als realitätsfernes Diktat von oben wahrgenommen.

Die psychologische Wirkung ist verheerend. Anstatt kleine, stetige Erfolge zu feiern, die das Team zusammenschweißen, jagt man einer Fata Morgana hinterher. Dies untergräbt das Vertrauen in die Führung und fördert eine Kultur, in der Probleme eher versteckt als offen angesprochen werden. Studien zur Arbeitsplatzgesundheit belegen diesen Zusammenhang. So sind laut der Workplace Insights 2025-Studie etwa 18 % der deutschen Fach- und Führungskräfte in der Altersgruppe 31-40 burnout-gefährdet, oft als Folge von konstantem Druck und unrealistischen Erwartungen.

Gegenüberstellung einer unrealistischen Hockey-Stick-Kurve und einer realistischen stufenweisen Entwicklung

Eine gute Roadmap bricht mit dieser Tradition. Sie visualisiert einen realistischen, stufenweisen Fortschritt. Anstelle eines einzigen, gewaltigen Sprungs zeigt sie eine Serie von erreichbaren Meilensteinen. Jeder erreichte Meilenstein wird zum Erfolgsmoment, der Energie für die nächste Etappe liefert. Dieser Ansatz schafft eine positive Dynamik und ein Umfeld, in dem Teams motiviert sind, Herausforderungen anzugehen, weil sie wissen, dass die Ziele fair und erreichbar sind. Es geht darum, eine Kultur des nachhaltigen Wachstums anstelle von kurzfristigem Wunschdenken zu etablieren.

Wann und wie oft sollten Sie Ihre Jahres-Roadmap aktualisieren?

Die Vorstellung einer starren Jahres-Roadmap, die im Januar erstellt und im Dezember überprüft wird, ist ein Relikt aus einer stabileren, vorhersehbareren Wirtschaftswelt. In der heutigen volatilen Umgebung ist eine solche Roadmap bereits nach wenigen Monaten veraltet. Eine agile Roadmap ist kein in Stein gemeißeltes Gesetz, sondern ein lebendiges Dokument, das sich an neue Erkenntnisse, Marktveränderungen und Kundenfeedback anpasst. Die entscheidende Frage ist also nicht, *ob* man sie aktualisiert, sondern in welchem Rhythmus.

Der optimale Update-Zyklus hängt stark von der Branche, der Unternehmensgröße und der Marktdynamik ab. Ein SaaS-Startup in Berlin muss schneller reagieren als ein etablierter Maschinenbauer in Bayern. Wichtig ist es, verschiedene Planungsebenen mit unterschiedlichen Frequenzen zu betrachten: Die übergeordnete Vision bleibt länger stabil, während die operative Planung wöchentlich angepasst werden kann. Die folgende Tabelle, inspiriert von Ansätzen wie sie auf Plattformen wie Big-Agile diskutiert werden, bietet eine Orientierung für typische deutsche Unternehmensprofile.

Update-Rhythmus nach Unternehmenstyp
Unternehmenstyp Vision Strategie Roadmap Operativ
Berliner SaaS-Startup Jährlich Quartalsweise Monatlich Wöchentlich
Bayerischer Mittelständler Alle 2 Jahre Halbjährlich Quartalsweise Monatlich
Maschinenbau KMU Alle 3 Jahre Jährlich Quartalsweise Monatlich
Consulting Firma Jährlich Quartalsweise 6-wöchentlich Wöchentlich

Neben diesen regelmäßigen Zyklen gibt es unvorhergesehene Ereignisse, die eine sofortige Überprüfung der Roadmap erfordern. Es ist entscheidend, diese „Trigger-Events“ proaktiv zu definieren, um schnell und strategisch reagieren zu können, anstatt in operative Hektik zu verfallen.

Ihr Aktionsplan: Trigger-Events für außerplanmäßige Roadmap-Updates

  1. Markteintritt eines disruptiven Wettbewerbers: Analysieren Sie sofort die Bedrohung für Ihre strategischen Ziele und bewerten Sie, ob eine Kurskorrektur nötig ist.
  2. Unerwartete regulatorische Änderungen: Prüfen Sie die Auswirkungen (z.B. neue DSGVO-Anforderungen) auf laufende und geplante Initiativen.
  3. Technologischer Durchbruch in der Branche: Bewerten Sie, ob die neue Technologie eine Chance oder ein Risiko darstellt und ob Ihre Roadmap angepasst werden muss, um sie zu nutzen oder abzuwehren.
  4. M&A-Aktivitäten im direkten Umfeld: Analysieren Sie, wie sich eine Fusion oder Übernahme eines Konkurrenten oder Partners auf Ihre Marktposition auswirkt.
  5. Signifikante Änderung der Kundenbedürfnisse: Identifizieren Sie, ob ein plötzlicher Wandel im Kundenverhalten (>30% Shift in Anfragen) eine Neupriorisierung Ihrer Initiativen erfordert.

Agil oder Wasserfall: Welcher Ansatz passt zu Ihrem 50-Köpfe-Team?

Die Debatte „Agil vs. Wasserfall“ wird oft als unversöhnlicher Glaubenskrieg geführt. Doch für ein mittelständisches Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitern liegt die beste Lösung meist in der intelligenten Kombination beider Welten. Ein reines Wasserfallmodell, bei dem alles von Anfang bis Ende durchgeplant wird, ist zu starr für die heutigen Märkte. Ein rein agiler Ansatz, bei dem Teams völlig autonom in kurzen Sprints arbeiten, kann ohne übergeordnete Richtung zu Chaos und strategischer Beliebigkeit führen. Das Ergebnis sind perfekt gebaute Features, die aber keinem gemeinsamen Ziel dienen.

Die Lösung ist ein hybrides Modell. Prof. Dr. Ayelt Komus von der Hochschule Koblenz fasst diesen Ansatz im Rahmen der „Status Quo Agile“ Studie prägnant zusammen:

Strategie im Wasserfall, Umsetzung Agil – das Beste aus beiden Welten kombinieren.

– Prof. Dr. Ayelt Komus, Hochschule Koblenz – Status Quo Agile

Was bedeutet das konkret für Ihre Roadmap? Die Roadmap selbst ist der „Wasserfall“-Teil: Sie legt die strategische Vision und die großen Ziele für einen längeren Zeitraum (z.B. 12-18 Monate) fest. Sie gibt die Richtung vor und dient als Leitplanke. Die Umsetzung dieser Ziele erfolgt dann jedoch agil. Die einzelnen Teams haben die Freiheit, in kurzen Zyklen (Sprints) die besten Lösungen zur Erreichung der auf der Roadmap definierten Meilensteine zu entwickeln. Sie können auf Feedback reagieren und ihre Vorgehensweise anpassen, solange sie sich innerhalb des strategischen Korridors bewegen.

Für ein Team von 50 Personen fungiert die Roadmap somit als eine Art strategische API (Schnittstelle) zwischen den verschiedenen Teams (z.B. Vertrieb, Marketing, Entwicklung). Sie stellt sicher, dass alle auf die gleichen übergeordneten Ziele hinarbeiten, auch wenn ihre tägliche Arbeit in agilen, dezentralen Schleifen stattfindet. Dieses Modell schafft die perfekte Balance zwischen strategischer Ausrichtung und operativer Flexibilität – eine entscheidende Fähigkeit, um Silo-Denken zu vermeiden und gleichzeitig schnell auf Marktveränderungen reagieren zu können.

Wann informieren Sie wen: Der schmale Grat zwischen Transparenz und Unruhe

Eine Roadmap zu haben ist eine Sache. Sie effektiv zu kommunizieren, eine andere. Völlige Intransparenz führt zu Misstrauen und Gerüchten. Absolute, ungefilterte Transparenz kann jedoch ebenso schädlich sein und zu Verunsicherung und endlosen Diskussionen über noch nicht finalisierte Pläne führen. Der Schlüssel liegt in einer gestaffelten und zielgruppengerechten Kommunikation. Es geht darum, die richtige Information zur richtigen Zeit an die richtige Person zu bringen. Die Kunst besteht darin, Klarheit und Orientierung zu schaffen, ohne durch zu viele Details oder verfrühte Ankündigungen Unruhe zu stiften.

Die Basis jeder guten Kommunikationsstrategie ist das Verständnis für die menschliche Komponente. Laut einer Capterra-Studie zur Mitarbeiterbindung nennen 62 % der Befragten gute zwischenmenschliche Beziehungen als wichtigsten Faktor für ihre Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Eine unklare oder als unfair empfundene Kommunikation kann diese Beziehungen nachhaltig stören. Es ist daher unerlässlich, einen klaren Kommunikationsplan zu haben, der festlegt, wer wann über welche Aspekte der Roadmap informiert wird.

Für den deutschen Mittelstand haben sich folgende Praktiken bewährt, um den schmalen Grat zwischen Transparenz und Unruhe zu meistern:

  • Begründen Sie Entscheidungen: Der deutsche Kontext erfordert Details. Erklären Sie nicht nur, *was* sich ändert, sondern auch *warum*. Legen Sie die Entscheidungsgrundlagen offen.
  • Etablieren Sie „Roadmap-Zeremonien“: Führen Sie regelmäßige, feste Termine ein (z.B. quartalsweise), in denen die Roadmap vorgestellt und diskutiert wird, analog zu Scrum-Events.
  • Nutzen Sie digitale Kanäle: Mitarbeiter-Apps oder ein zentrales Intranet sind ideal für kontinuierliche, asynchrone Updates zum Fortschritt der Meilensteine.
  • Schaffen Sie Feedback-Kanäle: Richten Sie formelle (z.B. Umfragen) und informelle (z.B. „Ask the CEO“-Sessions) Kanäle ein, um Fragen zu beantworten und Bedenken aufzugreifen.
  • Involvieren Sie den Betriebsrat frühzeitig: Nutzen Sie den Betriebsrat als Kommunikationsmultiplikator und strategischen Partner, um Vertrauen in der Belegschaft zu schaffen.

Eine durchdachte Kommunikationsstrategie macht die Roadmap zu einem lebendigen Dialog statt einem statischen Monolog. Sie verwandelt Mitarbeiter von reinen Befehlsempfängern in informierte Mitgestalter und ist damit der wirksamste Schutz gegen das Aufkommen von Silo-Denken.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Roadmap ist eine visuelle Erzählung, kein Datengrab. Sie übersetzt komplexe Strategien in ein für alle verständliches Bild.
  • Der Wert einer Roadmap liegt im Prozess ihrer Erstellung. Ein strukturierter Workshop-Ansatz schafft gemeinsames Verständnis und bricht Silos auf.
  • Führen Sie mit strategischen Zielen, nicht mit Features. Geben Sie Ihren Teams den „Warum“-Kontext und die Autonomie, das „Wie“ selbst zu gestalten.

Wie macht eine agile Strategie Ihr Unternehmen in 6 Monaten krisenfest?

Die Fähigkeit eines Unternehmens, Krisen zu überstehen, hängt nicht von der Perfektion seines ursprünglichen Plans ab, sondern von seiner Fähigkeit zur schnellen und ausgerichteten Anpassung. Eine agile Strategie, visualisiert in einer lebendigen Roadmap, ist das Immunsystem, das ein Unternehmen krisenfest macht. Warum? Weil sie eine gemeinsame strategische Ausrichtung schafft, die auch dann Bestand hat, wenn sich die operativen Rahmenbedingungen über Nacht ändern. Wenn jeder im Unternehmen den Nordstern – die übergeordneten Ziele auf der Roadmap – kennt, können Teams dezentral und schnell auf neue Herausforderungen reagieren, ohne auf zentrale Anweisungen warten zu müssen.

In nur sechs Monaten kann die Implementierung eines agilen Roadmap-Prozesses die Resilienz Ihres Unternehmens fundamental stärken. Indem Sie von einer starren Jahresplanung auf einen quartalsweisen Review- und Anpassungszyklus umstellen, institutionalisieren Sie Veränderung. Ihr Unternehmen lernt, in kürzeren Schleifen zu denken, Hypothesen zu testen und aus echtem Marktfeedback zu lernen, anstatt monatelang einer falschen Annahme zu folgen. Dies reduziert nicht nur das Risiko teurer Fehlentwicklungen, sondern erhöht auch die Geschwindigkeit, mit der Sie Chancen ergreifen können. Es ist der Übergang von einem schwerfälligen Tanker zu einer Flotte wendiger Schnellboote, die alle in die gleiche Richtung fahren.

Die Zahlen bestätigen dies: Eine agile, gut kommunizierte Roadmap ist ein direkter Treiber für den Projekterfolg und damit für die Widerstandsfähigkeit des gesamten Unternehmens. Laut einer aktuellen Digitalisierungsstudie für den deutschen Mittelstand haben Projekte, die auf soliden Roadmap-Praktiken basieren, eine Erfolgsquote von 71 % – ein signifikanter Unterschied in einem unsicheren Marktumfeld. Die Investition in einen klaren, visuellen und agilen Strategieprozess ist somit keine reine Management-Übung, sondern eine entscheidende Maßnahme zur Zukunftssicherung Ihres Unternehmens.

Beginnen Sie noch heute damit, den hier vorgestellten Prozess zu adaptieren. Starten Sie mit einem kleinen Pilotprojekt und nutzen Sie die Kraft der visuellen Planung, um die ersten Silo-Brücken in Ihrer Organisation zu bauen und Ihre Strategie für alle sichtbar und erlebbar zu machen.

Geschrieben von Katja Seidel, Senior Agile Coach und Organisationsentwicklerin für Traditionsunternehmen. Expertin für Change Management und die Einführung agiler Methoden in nicht-technischen Bereichen.