
Für eine profitable unterjährige Steuerung ist der Blick in den Rückspiegel des Jahresabschlusses unzureichend; die kurzfristige Erfolgsrechnung (KER) ist das entscheidende Cockpit für die Geschäftsführung.
- Die KER deckt die „wirtschaftliche Wahrheit“ auf, indem sie Kosten erfasst, die in der Finanzbuchhaltung unsichtbar bleiben (z. B. kalkulatorischer Unternehmerlohn).
- Sie liefert die entscheidungsrelevanten Daten (z. B. Deckungsbeitrag II), um Produktportfolio, Preisgestaltung und Investitionen aktiv zu steuern, anstatt nur zu reagieren.
Empfehlung: Implementieren Sie eine KER, um von der reaktiven Analyse zur proaktiven Unternehmenssteuerung zu gelangen und eine solide Argumentationsbrücke zu Kunden und Banken zu bauen.
Als Controller kennen Sie das Dilemma: Die Geschäftsführung verlangt monatliche Transparenz und klare Steuerungsimpulse, doch die Werkzeuge der Finanzbuchhaltung liefern nur ein verzerrtes Bild der Realität. Der offizielle Jahresabschluss und die monatliche BWA sind wie ein Blick in den Rückspiegel – sie zeigen, wo Sie waren, aber nicht, wie Sie die nächste Kurve nehmen sollen. Sie sind für das Finanzamt und externe Bilanzleser konzipiert, nicht für die agile Steuerung eines Unternehmens im Wettbewerb.
Die üblichen Reaktionen darauf sind oft oberflächlich: Man schaut auf den Umsatz, überwacht die größten Kostenblöcke und hofft, dass am Ende des Jahres ein Gewinn übrig bleibt. Doch dieser Ansatz ignoriert die stillen Gefahren: Produkte, die scheinbar profitabel sind, aber in Wahrheit Geld verbrennen, falsche Preisuntergrenzen und Investitionsentscheidungen, die auf steuerlichen statt auf wirtschaftlichen Realitäten basieren. Die wahre Herausforderung liegt nicht in der reinen Datenerfassung, sondern in der Schaffung einer validen, entscheidungsrelevanten Datengrundlage.
Doch was wäre, wenn die eigentliche Lösung nicht darin besteht, die BWA noch detaillierter zu analysieren, sondern darin, ein völlig anderes Instrument zu nutzen? Ein Instrument, das die wirtschaftliche Wahrheit abbildet? Genau hier setzt die kurzfristige Erfolgsrechnung (KER) an. Sie ist kein besserer Jahresabschluss, sondern ein echtes Steuerungscockpit. Sie übersetzt die Sprache der Buchhaltung in die Sprache der unternehmerischen Entscheidung.
Dieser Artikel zeigt Ihnen als praxisorientiertem Controller, wie Sie die KER aufbauen und nutzen, um nicht nur Transparenz zu schaffen, sondern aktiv die Profitabilität zu steuern. Wir werden aufdecken, welche versteckten Kosten Sie berücksichtigen müssen, wie Sie fundierte Produktentscheidungen treffen und wie Sie die Daten der KER nutzen, um bei Banken und Kunden souverän zu argumentieren.
Der folgende Leitfaden bietet Ihnen einen strukturierten Überblick über die zentralen Hebel, die Sie mit einer kurzfristigen Erfolgsrechnung in Bewegung setzen können. Entdecken Sie, wie Sie Ihre Rolle vom Datenverwalter zum strategischen Navigator der Unternehmensführung weiterentwickeln.
Inhaltsverzeichnis: Vom Jahresabschluss zur agilen Erfolgsrechnung
- Warum Sie Kosten berücksichtigen müssen, die gar nicht auf der Rechnung stehen
- Wie entscheiden Sie anhand von DB I und DB II über Produktstreichungen?
- Neutrale Aufwendungen vs. Kosten: Wo liegt der Unterschied für die Kalkulation?
- Warum die steuerliche Abschreibung in der internen Rechnung gefährlich ist
- Wie nutzen Sie die KER, um Preiserhöhungen beim Kunden durchzusetzen?
- Warum schauen Banken mehr auf das EBITDA als auf den Jahresüberschuss?
- Warum Verschwendung in Prozessen oft unsichtbar ist
- Wie berechnen Sie den ROI so, dass Ihr Investitionsantrag genehmigt wird?
Warum Sie Kosten berücksichtigen müssen, die gar nicht auf der Rechnung stehen
Die größte Schwäche der reinen Finanzbuchhaltung ist, dass sie nur das erfasst, was durch einen externen Beleg dokumentiert wird. Doch die wahre Kostenstruktur Ihres Unternehmens enthält entscheidende Posten, für die es keine Rechnung gibt: die sogenannten kalkulatorischen Kosten. Sie sind der Schlüssel zur Abbildung der wirtschaftlichen Wahrheit und bilden das Fundament jeder validen internen Kalkulation. Ignorieren Sie sie, treffen Sie Entscheidungen auf Basis unvollständiger und gefährlich optimistischer Daten.
Das prominenteste Beispiel ist der kalkulatorische Unternehmerlohn, insbesondere in Personen- und Einzelunternehmen. Der Inhaber zahlt sich oft kein fixes Gehalt, sondern lebt von Entnahmen. In der BWA tauchen somit keine Personalkosten für die Geschäftsführung auf, was die Profitabilität massiv verzerrt. Für die interne Steuerung müssen Sie jedoch ein marktübliches Geschäftsführergehalt ansetzen, um die tatsächliche Leistungsfähigkeit des Betriebs realistisch bewerten zu können. Dies ist gerade in Deutschland entscheidend, da die Unternehmenslandschaft von kleinen und mittleren Unternehmen geprägt ist, laut einer Analyse von INTAGUS zur Unternehmensstruktur. Die Höhe dieses fiktiven Gehalts orientiert sich dabei an Branche, Unternehmensgröße und Umsatz. So verdient ein Geschäftsführer im Gastgewerbe bei bis zu 100 Mitarbeitern rund 60.000 Euro, bei bis zu 1.000 Mitarbeitern aber bereits über 100.000 Euro brutto pro Jahr.
Das Eisberg-Prinzip trifft hier perfekt zu: Die sichtbaren Kosten auf den Rechnungen sind nur die Spitze. Die unsichtbaren, kalkulatorischen Kosten unter der Oberfläche – wie Unternehmerlohn, kalkulatorische Zinsen auf das Eigenkapital oder kalkulatorische Wagnisse – machen oft den entscheidenden Unterschied zwischen scheinbarem und tatsächlichem Erfolg aus.

Weitere wichtige kalkulatorische Kosten sind kalkulatorische Miete (wenn Geschäftsräume im Privatbesitz sind) und kalkulatorische Zinsen, die das gebundene Eigenkapital verzinsen sollen. Ohne diese Korrekturen subventioniert der Unternehmer unbemerkt den Betrieb mit seinem Privatvermögen oder seiner unentgeltlichen Arbeitsleistung. Die KER macht diese Subventionen sichtbar und erzwingt eine ehrliche Leistungsbeurteilung. Erst dann wird klar, ob ein Produkt oder eine Dienstleistung wirklich einen positiven Beitrag leistet.
Wie entscheiden Sie anhand von DB I und DB II über Produktstreichungen?
Eine der mächtigsten Funktionen der KER ist die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung. Sie liefert den entscheidenden Steuerungsimpuls für eine der wichtigsten strategischen Fragen: Welche Produkte sollen wir fördern, welche tolerieren und welche eliminieren? Die alleinige Betrachtung des Umsatzes oder einer pauschalen Marge führt hierbei in die Irre. Die Differenzierung nach Deckungsbeitrag I (DB I) und Deckungsbeitrag II (DB II) schafft die notwendige Entscheidungsgrundlage.
Der DB I (Umsatzerlöse minus variable Kosten) zeigt, wie viel ein Produkt zur Deckung der Fixkosten beiträgt. Er definiert die absolute kurzfristige Preisuntergrenze: Jeder Verkauf unterhalb der variablen Kosten vernichtet aktiv Unternehmenswert. Der DB I ist jedoch ein trügerischer Freund, da er die produktfixen Kosten ignoriert. Ein Produkt kann einen positiven DB I haben, aber dennoch unprofitabel sein, wenn seine spezifischen Fixkosten (z.B. für eine spezielle Maschine, ein Patent oder dediziertes Marketing) diesen Beitrag übersteigen.
Hier kommt der DB II ins Spiel. Er wird berechnet, indem vom DB I die produktfixen Kosten abgezogen werden. Der DB II ist der Gradmesser für die mittelfristige Rentabilität eines Produkts. Ein negativer DB II ist ein klares Alarmsignal: Das Produkt kann nicht einmal seine eigenen direkten Fixkosten tragen. Solche Produkte sind die ersten Kandidaten für eine Eliminierung, es sei denn, sie haben eine strategische Bedeutung als „Türöffner“ für andere, hochprofitable Produkte oder sind für einen A-Kunden unverzichtbar.
Die folgende Matrix verdeutlicht die unterschiedliche Aussagekraft und hilft bei der Einordnung der Ergebnisse für eine fundierte Entscheidung über das Produktportfolio.
| Kriterium | Deckungsbeitrag I | Deckungsbeitrag II | Entscheidungsrelevanz |
|---|---|---|---|
| Berücksichtigte Kosten | Nur variable Kosten | Variable + produktfixe Kosten | Kurzfristig vs. mittelfristig |
| Aussagekraft | Kurzfristige Preisuntergrenze | Mittelfristige Rentabilität | Hoch für Produktmix |
| Engpassbetrachtung | Relativ zum Engpass berechenbar | Absolute Produktrentabilität | Kritisch bei Kapazitätsgrenzen |
Die systematische Analyse des Produktportfolios ist keine einmalige Aufgabe, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Ein strukturierter Audit stellt sicher, dass keine unprofitablen Produkte unentdeckt bleiben.
Aktionsplan: Audit Ihres Produktportfolios
- Kontaktpunkte definieren: Listen Sie alle Produkte und Produktgruppen auf, die Deckungsbeiträge generieren, um eine vollständige Datenbasis zu schaffen.
- Datenerfassung: Ordnen Sie jedem Produkt präzise seine variablen Kosten und die direkt zurechenbaren produktfixen Kosten zu.
- Kohärenz-Check: Berechnen Sie DB I und DB II für jedes Produkt und gleichen Sie die Ergebnisse mit strategischen Zielen wie Mindestmargen ab.
- Entscheidungsrelevanz prüfen: Identifizieren Sie Produkte mit negativem DB II. Bewerten Sie deren strategische Bedeutung (z. B. „Türöffner“) und den relativen DB pro Engpasseinheit.
- Maßnahmenplan erstellen: Definieren Sie für unrentable Produkte konkrete Handlungen (Eliminierung, Preisanpassung, Kostensenkung) und priorisieren Sie deren Umsetzung.
Neutrale Aufwendungen vs. Kosten: Wo liegt der Unterschied für die Kalkulation?
Ein häufiger Fehler bei der Interpretation der BWA ist die Gleichsetzung von Aufwand und Kosten. Für eine präzise interne Steuerung ist diese Unterscheidung jedoch fundamental. Die BWA listet alle Aufwendungen, die in der Finanzbuchhaltung erfasst wurden. Die KER filtert diese und berücksichtigt nur die betriebsbedingten, periodengerechten und ordentlichen Aufwendungen – die sogenannten Kosten. Alles andere wird als neutraler Aufwand eliminiert, da er die Beurteilung der operativen Performance verzerren würde.
Neutrale Aufwendungen lassen sich in drei Kategorien einteilen:
- Betriebsfremde Aufwendungen: Diese haben nichts mit dem eigentlichen Betriebszweck zu tun. Ein klassisches Beispiel sind Spenden oder Verluste aus dem Verkauf von nicht mehr benötigten Wertpapieren. Sie schmälern zwar den Gewinn in der GuV, sagen aber nichts über die Effizienz der Produktion oder Dienstleistung aus.
- Periodenfremde Aufwendungen: Diese sind zwar betrieblich bedingt, fallen aber in einer anderen Periode an. Eine Steuernachzahlung für vergangene Jahre ist ein typischer Fall. Sie belastet die aktuelle Liquidität, hat aber keine Aussagekraft über die Profitabilität des laufenden Monats.
- Außerordentliche Aufwendungen: Dies sind unvorhergesehene, seltene Ereignisse, wie z.B. Schäden durch einen Brand oder einen Forderungsausfall in außergewöhnlicher Höhe. Sie gehören nicht zum normalen Geschäftsrisiko und würden die Vergleichbarkeit der Monats-Ergebnisse zerstören.
Die saubere Trennung ist für die Entscheidungsrelevanz Ihrer Controlling-Berichte unerlässlich. Stellen Sie sich vor, Sie vergleichen die Profitabilität von zwei Monaten. In einem Monat wurde eine hohe Spende getätigt. Ohne die Bereinigung in der KER würden Sie fälschlicherweise annehmen, die operative Leistung sei in diesem Monat eingebrochen, und womöglich falsche Schlüsse ziehen. Erst durch die Eliminierung der neutralen Aufwendungen wird die tatsächliche operative Ertragskraft – die wirtschaftliche Wahrheit – sichtbar und vergleichbar. Dieser Grundsatz ist sogar in offiziellen Regelwerken verankert, die eine realistische Kalkulation fordern. So heißt es in den Leitsätzen für die Preisermittlung:
Die Größe des Betriebs, der Umsatz und die Zahl der in ihm tätigen Unternehmer sind zu berücksichtigen.
– Leitsätze für die Preisermittlung, Verordnung PR Nr. 30/53 vom 21. November 1953
Dieses Zitat bezieht sich zwar ursprünglich auf den kalkulatorischen Unternehmerlohn, unterstreicht aber das übergeordnete Prinzip: Für eine faire Preis- und Kostenermittlung müssen die realen, betriebsbedingten Gegebenheiten die Grundlage sein, nicht die Zufälligkeiten der Finanzbuchhaltung.
Warum die steuerliche Abschreibung in der internen Rechnung gefährlich ist
Die Abschreibung ist ein Paradebeispiel für den Konflikt zwischen externer Rechnungslegung und interner Steuerung. Während die Finanzbuchhaltung die steuerlich vorgeschriebene „Absetzung für Abnutzung“ (AfA) anwendet, führt deren Übernahme in die interne Kalkulation zu fatalen Fehlentscheidungen. Der Grund: Die steuerliche Abschreibung folgt den Vorgaben der AfA-Tabellen des Finanzamts, die oft wenig mit der wirtschaftlichen Realität zu tun haben.
Die AfA-Tabellen legen starre Nutzungsdauern fest, die primär steuerpolitische Ziele verfolgen. Die tatsächliche wirtschaftliche Nutzungsdauer einer Maschine kann jedoch durch technologischen Fortschritt, intensive Nutzung oder Marktveränderungen deutlich kürzer sein. Wenn Sie mit einer zu langen, steuerlich optimierten Nutzungsdauer kalkulieren, sind Ihre kalkulatorischen Abschreibungen zu niedrig. Das Ergebnis: Ihre Produktkosten sind scheinbar gering, Ihre ausgewiesenen Gewinne zu hoch und Ihre Preise im schlimmsten Fall nicht wettbewerbsfähig, weil sie die notwendige Substanzerhaltung nicht finanzieren.
Die KER korrigiert diesen Fehler, indem sie die steuerliche AfA durch die kalkulatorische Abschreibung ersetzt. Diese orientiert sich an zwei entscheidenden, realitätsnahen Faktoren:
- Wiederbeschaffungswert: Anstelle der historischen Anschaffungskosten wird der voraussichtliche Preis für eine Ersatzinvestition in der Zukunft angesetzt. Dies berücksichtigt Inflation und Preissteigerungen und stellt sicher, dass Sie genug Geld zurücklegen, um die Maschine am Ende ihrer Lebensdauer tatsächlich ersetzen zu können.
- Wirtschaftliche Nutzungsdauer: Sie schätzen die tatsächliche Einsatzdauer der Anlage im Unternehmen, basierend auf Erfahrung, technischer Entwicklung und Nutzungsintensität.
Praxisbeispiel: Der Konflikt zwischen AfA-Tabelle und Realität
Ein Maschinenbauer schreibt eine neue Produktionsmaschine gemäß AfA-Tabelle über 10 Jahre ab. Aufgrund des rasanten technologischen Wandels in der Branche ist die Maschine aber faktisch nach 5 Jahren veraltet und nicht mehr konkurrenzfähig. Die KER deckt auf: Die internen Produktkosten wurden jahrelang zu niedrig angesetzt. Das Unternehmen hat keine ausreichenden Rücklagen für eine rechtzeitige Ersatzinvestition gebildet und verliert nun Marktanteile. Eine realistische kalkulatorische Abschreibung auf Basis von 5 Jahren hätte diesen Fehler verhindert und rechtzeitig einen Steuerungsimpuls zur Preisanpassung oder Effizienzsteigerung gegeben. Dies wird durch zahlreiche Analysen zur Kosten- und Leistungsrechnung bestätigt.
Die steuerliche Abschreibung ist ein Instrument zur Ermittlung des zu versteuernden Gewinns. Die kalkulatorische Abschreibung ist ein Instrument zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit Ihres Unternehmens. In der internen Steuerung hat Letztere immer Vorrang.
Wie nutzen Sie die KER, um Preiserhöhungen beim Kunden durchzusetzen?
Preiserhöhungen gehören zu den schwierigsten Aufgaben im Vertrieb. Kunden reagieren oft mit Unverständnis oder drohen mit einem Wechsel zur Konkurrenz. Eine rein kostenbasierte Argumentation („Unsere Materialkosten sind um 15 % gestiegen“) führt meist in eine Sackgasse und endet in zähen Rabattverhandlungen. Die Daten aus der kurzfristigen Erfolgsrechnung (KER) ermöglichen Ihnen jedoch einen weitaus strategischeren Ansatz: die wertebasierte Argumentation.
Statt über Ihre Kosten zu klagen, bauen Sie mit den richtigen KPIs aus der KER eine Argumentationsbrücke, die den Nutzen für den Kunden in den Vordergrund stellt. Die KER liefert Ihnen nicht nur die Kosten-, sondern auch die Leistungsdaten, die Sie dafür benötigen. Sie können zum Beispiel nachweisen, welche Investitionen in Qualität, Liefertreue oder Service notwendig waren, um das Leistungsniveau zu halten, das der Kunde schätzt.
Praxisbeispiel: Wertebasierte Argumentation statt Kostenklage
Ein Maschinenbauer sah sich mit 30 % gestiegenen Logistikkosten konfrontiert. Anstatt dem Kunden eine reine Kostenweitergabe zu präsentieren, nutzte der Vertrieb die Daten aus dem Controlling. Die Argumentation lautete: „Um unsere für Sie kritische Liefertreue von 99 % auch unter diesen angespannten Marktbedingungen zu garantieren, haben wir in redundante Lieferketten und höhere Sicherheitsbestände investiert. Diese Maßnahmen sichern Ihre Produktionsstabilität.“ Der Fokus lag auf dem Kundennutzen (Produktionssicherheit) statt auf den internen Problemen des Lieferanten. Das Ergebnis: Der Kunde akzeptierte eine Preiserhöhung von 8 %.
Die KER liefert die Fakten für eine solche Argumentation. Sie zeigt, welche Kostenstellen (z.B. Qualitätssicherung, Logistik, Service) gestiegen sind und welchen Beitrag diese zur Gesamtleistung für den Kunden erbringen. Diese Transparenz ermöglicht es, von einer defensiven Rechtfertigung zu einer selbstbewussten, partnerschaftlichen Verhandlung überzugehen. Wie eine Analyse verschiedener Verhandlungsstrategien zeigt, ist der wertorientierte Ansatz mit Abstand der erfolgreichste.
| Ansatz | Argumentation | KER-Daten | Erfolgsquote |
|---|---|---|---|
| Kostenorientiert | Auflistung gestiegener Kosten | Detaillierte Kostenaufstellung | Niedrig (20-30%) |
| Wertorientiert | Nutzen für Kunden betonen | Selektive Performance-KPIs | Hoch (60-70%) |
| Partnerschaftlich | Gemeinsame Lösungsfindung | Transparente Margenentwicklung | Mittel (40-50%) |
Warum schauen Banken mehr auf das EBITDA als auf den Jahresüberschuss?
Wenn Sie bei einer Bank einen Kredit beantragen, erleben Sie oft eine Überraschung: Der im Jahresabschluss ausgewiesene Jahresüberschuss interessiert den Kreditanalysten nur am Rande. Sein Blick richtet sich stattdessen auf eine Kennzahl, die direkt aus der Logik der internen Erfolgsrechnung stammt: das EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation, and Amortization). Für Banken ist das EBITDA der beste Indikator für die operative Ertragskraft und damit für die Fähigkeit eines Unternehmens, den Kapitaldienst (Zins und Tilgung) zu leisten.
Warum ist das so? Das EBITDA eliminiert gezielt die Faktoren, die die eigentliche operative Performance verschleiern:
- Zinsen (Interest): Das Finanzergebnis hängt von der Kapitalstruktur ab (viel oder wenig Fremdkapital). Die Bank will aber die Ertragskraft des operativen Geschäfts unabhängig von seiner bisherigen Finanzierung beurteilen.
- Steuern (Taxes): Der Steueraufwand wird von vielen Faktoren beeinflusst und sagt nichts über die operative Effizienz aus.
- Abschreibungen (Depreciation and Amortization): Abschreibungen sind nicht zahlungswirksam. Ein Unternehmen kann einen hohen Gewinn ausweisen, aber aufgrund hoher Investitionen und Abschreibungen kaum liquide Mittel zur Verfügung haben – oder umgekehrt.
Das EBITDA zeigt also, welches operative Ergebnis vor Abzug dieser nicht-operativen oder nicht-zahlungswirksamen Positionen erwirtschaftet wird. Es ist eine Annäherung an den operativen Cashflow und damit die entscheidende Größe für die Kapitaldienstfähigkeit. Wie der Finanzierungsvermittler creditshelf hervorhebt, ist dies ein zentraler Punkt im Ratingprozess, da sich über das EBITDA schnell ermitteln lässt, welche zusätzliche Belastung das Unternehmen tragen kann. Die KER, die ebenfalls Kosten von neutralen Aufwendungen trennt und kalkulatorische, wirtschaftliche Größen verwendet, liefert eine weitaus solidere Basis zur Berechnung eines aussagekräftigen EBITDA als die reine BWA.
Die Darstellung mit dem EBITDA schafft eine Grundlage auch für Dritte, die beispielsweise über deine Kreditwürdigkeit urteilen müssen. Das können Banken sein oder auch Geschäftspartner und Lieferanten.
– sevdesk Redaktion, EBITDA berechnen – mit Formel & Anwendungsbeispiel
Für Ihr Bankengespräch bedeutet das: Bereiten Sie nicht nur den Jahresabschluss vor, sondern eine plausible Herleitung des nachhaltigen, operativen EBITDA. Kennzahlen wie die EBITDA-Marge, der dynamische Verschuldungsgrad (Nettofinanzverbindlichkeiten / EBITDA) und der Zinsdeckungsgrad (EBITDA / Zinsaufwand) sind die Sprache, die Ihre Bank versteht.
Warum Verschwendung in Prozessen oft unsichtbar ist
Profitabilität wird nicht nur durch Preise und Produktmix bestimmt, sondern maßgeblich durch die Effizienz der internen Prozesse. Verschwendung (im Lean Management auch „Muda“ genannt) ist jedoch oft unsichtbar, weil sie in der Standard-BWA nicht als separate Kostenart ausgewiesen wird. Sie versteckt sich in zu hohen Materialkosten, überlangen Durchlaufzeiten oder unproduktiven Personalkosten. Die KER, kombiniert mit einer prozessorientierten Betrachtung, ist das beste Instrument, um diese versteckten Kostenfallen aufzudecken und zu quantifizieren.
Die sieben klassischen Arten der Verschwendung lassen sich durch eine detaillierte Kosten- und Leistungsrechnung in konkrete Euro-Beträge übersetzen:
- Überproduktion: Produzieren auf Halde bindet Kapital und verursacht Lagerkosten, die oft 8-12 % des Lagerwertes pro Jahr betragen.
- Wartezeiten: Stillstand von Maschinen oder Warten von Mitarbeitern auf Material verursacht direkt unproduktive Personalkosten und Opportunitätskosten durch entgangene Produktion.
- Transport: Ineffiziente interne Logistikwege und mehrfaches Handling von Materialien können sich auf 3-5 % des Umsatzes summieren.
- Falsche Prozesse/Nacharbeit: Jeder Fehler, der zu Nacharbeit oder Ausschuss führt, verursacht direkte Kosten, die oft 5-10 % der Herstellkosten ausmachen können.
- Hohe Bestände: Zu hohe Lagerbestände binden nicht nur Kapital (mit Kosten von 15-25 % des Bestandswerts), sondern verschleiern auch andere Prozessprobleme.
- Unnötige Bewegung: Ineffiziente Arbeitsplatzgestaltung, die Mitarbeiter zu langen Wegen zwingt, kostet wertvolle Arbeitszeit.
- Fehler/Ausschuss: Jede Reklamation und jeder Garantiefall verursacht nicht nur direkte Kosten, sondern schädigt auch den Ruf des Unternehmens.
Ein besonders oft übersehener Punkt ist die Verschwendung von Talent. Wenn hochqualifizierte Fachkräfte administrative oder minderwertige Tätigkeiten ausführen, entstehen massive Opportunitätskosten. Die KER kann dies sichtbar machen, indem sie die Kosten für „unproduktive Arbeitszeit“ auf einer separaten Kostenstelle sammelt.
Praxisbeispiel: Quantifizierung der Verschwendung von Talent
In einem deutschen Meisterbetrieb wurde ermittelt, dass der hochqualifizierte Meister 30 % seiner Zeit mit Administration statt mit wertschöpfender Arbeit am Kundenprojekt verbrachte. Bei einem internen Verrechnungssatz von 85 Euro pro Stunde entsprach dies Opportunitätskosten von über 50.000 Euro pro Jahr. Die Lösung war die Einstellung einer Teilzeit-Bürokraft. Dadurch wurde die Kapazität des Meisters vollständig für die Produktion freigesetzt, was zu einer direkten Umsatzsteigerung von 15 % im ersten Jahr führte. Die KER lieferte die entscheidungsrelevanten Daten für diese Investition.
Die Aufgabe des Controllings ist es, diese Verschwendung nicht nur zu identifizieren, sondern ihr ein Preisschild zu geben. Erst wenn die Geschäftsführung sieht, dass „schlechte Prozesse“ jährlich einen sechsstelligen Betrag kosten, entsteht der notwendige Handlungsdruck für Prozessoptimierungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Jahresabschluss ist vergangenheitsorientiert und für die Steuer optimiert; die kurzfristige Erfolgsrechnung (KER) ist das Instrument für die unterjährige, wirtschaftliche Steuerung.
- Die KER schafft Entscheidungsgrundlagen, indem sie kalkulatorische Kosten (z.B. Unternehmerlohn, realistische Abschreibungen) integriert und zwischen Aufwand und Kosten trennt.
- Kennzahlen wie Deckungsbeitrag II und EBITDA, die auf KER-Daten basieren, sind entscheidend für die Produktportfolio-Steuerung und die Kommunikation mit Banken und Kunden.
Wie berechnen Sie den ROI so, dass Ihr Investitionsantrag genehmigt wird?
Jede Investition ist eine Wette auf die Zukunft. Als Controller ist es Ihre Aufgabe, diese Wette mit Fakten zu untermauern und die Entscheidungsrelevanz für die Geschäftsführung klar herauszuarbeiten. Ein Investitionsantrag, der nur auf technischen Spezifikationen und vagen Versprechungen beruht, wird scheitern. Ein Antrag, der einen klaren Return on Investment (ROI) auf Basis der KER-Daten nachweist, wird genehmigt. Der Schlüssel liegt darin, die Auswirkungen der Investition direkt auf die Kosten- und Leistungsstruktur des Unternehmens zu projizieren.
Ein überzeugender ROI-Antrag geht weit über die einfache Amortisationsrechnung hinaus. Er quantifiziert den Nutzen auf mehreren Ebenen und nutzt die Sprache der KER:
- Direkte Kosteneinsparungen: Zeigen Sie konkret, welche Kostenstellen in der KER durch die Investition entlastet werden. Beispiel: Eine neue, energieeffizientere Maschine senkt die Kosten auf der Kostenstelle „Energie“ um X Euro pro Monat.
- Deckungsbeitragsverbesserung: Quantifizieren Sie, wie die Investition den Deckungsbeitrag verbessert. Beispiel: Eine schnellere Maschine reduziert die variablen Stückkosten (z.B. durch geringeren Ausschuss), was den DB I pro Stück um Y Euro erhöht. Oder sie erhöht die Kapazität an einem Engpass, was einen höheren Gesamt-Deckungsbeitrag ermöglicht.
- Risikobetrachtung: Ein guter Antrag spielt nicht nur das Best-Case-Szenario durch. Präsentieren Sie eine Sensitivitätsanalyse mit einem realistischen, einem optimistischen und einem pessimistischen Szenario für den ROI. Das zeigt kaufmännische Vorsicht und erhöht die Glaubwürdigkeit.
Darüber hinaus sollten Sie auch die nicht-monetären Vorteile nicht ignorieren, auch wenn sie nicht direkt in den ROI einfließen. Aspekte wie eine verbesserte Produktqualität, höhere Mitarbeiterzufriedenheit (z.B. durch ergonomischere Maschinen) oder eine Stärkung des Markenimages sind wichtige Zusatzargumente, die Ihre Position stärken. Der Antrag sollte als eine Art Business Case aufgebaut sein, der die Investition aus allen Blickwinkeln beleuchtet und mit einem klaren Meilensteinplan zur Überprüfung der erreichten Ziele abschließt.
Die kurzfristige Erfolgsrechnung liefert das Rüstzeug für diesen Prozess. Sie ermöglicht es Ihnen, die Ausgangslage präzise zu definieren und die zukünftigen Effekte glaubwürdig zu projizieren. So wird der Investitionsantrag von einer reinen Geldforderung zu einem fundierten, strategischen Vorschlag, der die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sichert.
Beginnen Sie noch heute damit, die Prinzipien der kurzfristigen Erfolgsrechnung in Ihrem Controlling zu etablieren. Machen Sie den Schritt von der reaktiven Analyse zur proaktiven Unternehmenssteuerung und werden Sie zum unverzichtbaren strategischen Partner für Ihre Geschäftsführung.
Häufig gestellte Fragen zur kurzfristigen Erfolgsrechnung
Was sind typische neutrale Aufwendungen?
Typische neutrale Aufwendungen, die in der KER eliminiert werden, sind Spenden, Steuernachzahlungen für Vorperioden, Verluste aus dem Verkauf von nicht betriebsnotwendigem Anlagevermögen oder Schäden durch außergewöhnliche Ereignisse wie Naturkatastrophen. Sie haben keinen direkten Bezug zur operativen Leistung der aktuellen Periode.
Warum verfälscht die BWA die unterjährige Erfolgsbetrachtung?
Die BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung) basiert direkt auf den Daten der Finanzbuchhaltung (GuV). Sie vermischt daher operative Kosten mit neutralen Aufwendungen (z.B. Spenden), berücksichtigt keine kalkulatorischen Kosten (z.B. Unternehmerlohn) und verwendet oft steuerlich optimierte statt wirtschaftlich realistischer Abschreibungen. Dies führt zu einem verzerrten Bild der tatsächlichen operativen Profitabilität.